Steuerfahndung: Fliesen statt Smartphones im Handyshop Internationaler Karussellbetrug aufgedeckt

Fliesen statt iPhones fanden Steuerfahnder jüngst im Rahmen einer koordinierten Aktion, bei der in Österreich und in Ungarn Hausdurchsuchungen bei Handyshopbetreibern durchgeführt wurden. Die Eigentümer waren verdächtig, Mitglieder eines international agierenden Umsatzsteuerkarussells zu sein. Mit ihrem Ermittlungserfolg und dem eindeutigen Beweismaterial, das sichergestellt wurde, konnte die Steuerfahndung diesen Verdacht belegen.

Bei der Durchsuchung des Handyshops eines betrügerischen Brüderpaars fiel den Wiener Steuerfahndern bei genauer Betrachtung verpackter iPhones auf, dass die Schutzfolie bereits vergilbt war. Außerdem hörten sie untypische Geräusche beim Schütteln der Verpackung. Beim Öffnen einer Verpackung war das Erstaunen groß: anstelle neuer iPhones waren nur Ziegelbruchstücke in der Handyverpackung. Das einzige, was sie mit den bekannten Smartphones gemein hatten, war das Gewicht. Die Verpackungen sollten nicht auffallen und wurden bewusst so präpariert, dass bei Gewichtskontrollen der Lieferungen im Rahmen der Verzollung niemand Verdacht schöpfen sollte. Die „Fliesen-Handys“ waren natürlich niemals für den Verkauf bestimmt, sondern sind gewiefte Instrumente zum Umsatzsteuerbetrug.

Der skurrile Fund der Fliesen und Ziegelbruchstücke in den iPhone-Verpackungen ist wesentliches Element einer besonders raffinierten Betrugsmasche. Beim so genannten Karussellbetrug führen kriminelle Händler die vom Käufer bezahlte Umsatzsteuer nicht wie vorgesehen an das Finanzamt ab, sondern machen in der Regel vom Vorsteuerabzug Gebrauch. Dazu sind Unternehmerinnen und Unternehmer im Rahmen ihrer unternehmerischen Tätigkeit berechtigt. Bei Geltendmachung bekommen sie die Vorsteuer vom Finanzamt ausbezahlt. So wollen die betrügerischen Geschäftsleute ihren Gewinn illegal maximieren.

Um diese Betrugsmasche anwenden zu können, müssen allerdings Warenbewegungen innerhalb von EU-Mitgliedsstaaten erfolgen – seien es fingierte oder tatsächliche Warenlieferungen. Die Gegenstände, die im Rahmen einer solchen Lieferung von einem Mitgliedstaat in einen anderen transportiert werden, dienen nur einem Ziel: Umsatzsteuer zu hinterziehen. Um möglichst viel Profit daraus zu schlagen, handelt es sich bei den Waren zumeist um hochpreisige Artikel aus dem Elektronikbereich, wie Smartphones, Tablets, Spielkonsolen usw. Oft sind, wie im vorliegenden Fall, die Waren allerdings nur fingiert. Die Artikel werden täuschend echt verpackt und verfügen über alle nötigen zollrechtlichen Papiere.

„Betrüger reagieren in der Regel sehr schnell auf unsere Fahndungserfolge und adaptieren ihre Machenschaften“ erklärt Mag. Christian Ackerler, Leiter der Steuerfahndung, und führt weiter aus: „Wurden früher üblicherweise die Papiere gefälscht, die für ein Umsatzsteuerkarussell nötig waren, so werden zunehmend Produkte fingiert, damit der Betrug möglichst gelingt. Umso mehr freut es mich, dass meine Fahnder den Kriminellen hier das Handwerk legen konnten.“

Mit dem Fund bei der Hausdurchsuchung konnte die Steuerfahndung eindeutig beweisen, dass diese originellen Produkte mit den entsprechenden Papieren nur einen Zweck hatten, nämlich so oft wie möglich durch eine Lieferkette geschleust zu werden, um die dabei anfallende Umsatzsteuer hinterziehen zu können.

Neben besagten fingierten Smartphones wurden weitere einschlägige Unterlagen sichergestellt.

Darüber hinaus wurden 100 Stück iPhone XR mit einem Marktwert von rund 60.000 Euro und weitere 1.500 iPhone 7 im Wert von ca. 500.000Euro beschlagnahmt. Da das betroffene Unternehmen beim zuständigen Finanzamt einen Abgabenrückstand von rund 450.000 Euro auswies, wurde sichergestelltes Bargeld in Höhe von 50.000 Euro sowie weitere verwertbare Gegenstände gepfändet.

Die Betreiber des durchsuchten Handyshops und ihre Beteiligung in einem Umsatzsteuerkarussell sind Gegenstand anhaltender Ermittlungen der Steuerfahndung. 

Der Schaden ist daher noch nicht abzuschätzen. Da die gefundenen iPhone-Attrappen mit einer Schadenssumme von 110.000 Euro aus Sicht der Steuerfahnder nur ein kleiner Teil eines komplexen Betrugsnetzwerks sind, kann von einer wesentlich höheren Schädigung ausgegangen werden, die sich jedoch erst nach Abschluss langwieriger Ermittlungen beziffern lassen wird.

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