Benchmark-Verordnung

Mit der EU-Verordnung soll sichergestellt werden, dass in der EU hergestellte und verwendete Benchmarks robust, zuverlässig, repräsentativ und für den angestrebten Einsatzzweck geeignet sind. Benchmarks sollen auch nicht nochmals Gegenstand von Manipulationen sein.

Die Verordnung (EU) 2016/1011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 8. Juni 2016 über Indizes, die bei Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten als Referenzwert oder zur Messung der Wertentwicklung eines Investmentfonds verwendet werden, und zur Änderung der Richtlinien 2008/48/EG und 2014/17/EU sowie der Verordnung (EU) Nr. 596/2014 wurde im Amtsblatt der Europäischen Union am 29. Juni 2016 veröffentlicht und gilt ab dem 1. Jänner 2018. National sind Begleitmaßnahmen – wie die Benennung der zuständigen Behörde sowie die Festsetzung von Verwaltungsmaßnahmen und –sanktionen – erforderlich.

Eine Benchmark ist ein Index oder ein Indikator zur Bepreisung von Finanzinstrumenten und Finanzkontrakten bzw. zur Messung der Performance von Investmentfonds. Mit den neuen Regeln wird der Steuerungsrahmen für Benchmarks verbessert, die in der EU für Finanzinstrumente wie Anleihen, Aktien und Derivate verwendet werden. Die neuen Regeln werden zum Schutz von Anlegern und Verbrauchern beitragen, da Benchmarks den Wert und die Wertentwicklung von Anlagen sowie die Höhe der Hypothekenzahlungen von Millionen von Haushalten in der EU bestimmen.

Drei Kategorien von Benchmarks

Die neue Verordnung sieht die Einführung von drei Kategorien von Benchmarks vor, die unterschiedlichen Aufsichtssystemen unterliegen, je nachdem welchen Einfluss sie auf die Finanzmarktstabilität haben.

  • „Kritische“ Benchmarks wie LIBOR (London Interbank Offered Rate) und EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate) können Finanzinstrumente und Verträge mit einem Durchschnittswert von mindestens 500 Milliarden Euro beeinflussen und damit die Stabilität der Finanzmärkte in ganz Europa beeinträchtigen. Eine Benchmark kann auch dann als kritisch eingestuft werden, wenn es keinen oder nur in sehr wenigen Fällen einen geeigneten Ersatz gibt und sie nicht mehr bereitgestellt würden und es erhebliche nachteilige Auswirkungen auf die Stabilität der Märkte gäbe.
  • „Signifikante“ oder bedeutende Benchmarks werden als Bezugsgrundlage für Finanzinstrumente oder Finanzkontrakte im Gesamtwert von mindestens 50 Milliarden Euro genutzt.
  • „Unbedeutende“ Benchmarks erfüllen nicht die Kriterien der bedeutenden Benchmarks. Benchmarks können, falls nötig, von einer Kategorie in die andere wechseln.

Überwachung und Transparenz

Nach den neuen Vorschriften müssen alle Benchmark-Administratoren durch eine zuständige Behörde zugelassen oder registriert werden, selbst wenn sie nur unbedeutende Benchmarks anbieten. Sie müssen zudem eine „Benchmark-Erklärung“ veröffentlichen, aus der hervorgeht, was mit der Benchmark gemessen werden soll und wo die Anfälligkeiten liegen.

Den neuen Bestimmungen zufolge müssen bei der Ermittlung von Benchmarks präzise Daten in ausreichender Menge herangezogen werden, die gewährleisten, dass der Markt oder die wirtschaftliche Realität, den bzw. die sie messen, realitätsgetreu abgebildet ist. Die Daten sollten aus zuverlässigen Quellen stammen und die Benchmark sollte belastbar und verlässlich berechnet werden.

Um Interessenskonflike zu vermeiden, müssen Administratoren von kritischen Benchmarks eine klare Organisationsstruktur aufweisen und werden wirksamen Kontrollverfahren unterworfen.