Prospekt-Verordnung

Mit der Verordnung (EU) 2017/1129 werden harmonisierte Prospektvorschriften im Hinblick auf die Prospektpflichtschwellen, das Prospektbilligungsverfahren sowie den Prospektinhalt geschaffen. Das soll insbesondere Erleichterungen für kleineren und mittleren Unternehmen und für Sekundäremissionen bringen.

Die neue Verordnung (EU) 2017/1129 über den Prospekt, der beim öffentlichen Angebot von Wertpapieren oder bei deren Zulassung zum Handel an einem geregelten Markt zu veröffentlichen ist und zur Aufhebung der Richtlinie 2003/71/EG wurde am 30. Juni 2017 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Grundsätzlich sind die neuen Prospektvorschriften ab dem 21. Juli 2019 in allen Mitgliedstaaten der EU verbindlich anzuwenden, wobei aufgrund eines gestaffelten Anwendungsbeginns die Regelungen über die Prospektpflicht auslösenden Schwellenwerten bereits ab dem 21. Juli 2018 in allen Mitgliedstaaten gelten. Eine Prospektausnahmeregelung für die Zulassung bestimmter Finanzinstrumente zum Handel an einem geregelten Markt gilt bereits seit 20. Juli 2017.

Die wesentlichen Inhalte der neuen Prospekt-Verordnung sind:

  • Mit der Anhebung des Schwellenwertes für die Prospektpflicht auf eine Million Euro wird vor allem für KMU ein erleichterter Zugang zu Kapital ermöglicht und gleichzeitig auch mehr Handlungsspielraum für das Crowdfunding-Regime geschaffen.
  • Es wird auch ein vereinfachter Prospekt für KMUs eingeführt, der auf die Bedürfnisse von kleineren Emittenten zugeschnitten ist. Dieses „Light-Regime“ soll verwaltungs- und kostenentlastend für KMUs wirken. Auch die Schwellenwerte für KMU, die diese Regelung in Anspruch nehmen können, werden angehoben.
  • Der Umfang der für den Prospekt erforderlichen Informationen wird genauer definiert, sodass Prospekte künftig kürzer und klarer gefasst werden können.
  • Die Prospektzusammenfassung wird auf maximal sieben leicht lesbare Seiten gekürzt und soll in einem klaren, für den Anleger verständlichen Sprachstil verfasst werden. Der Inhalt des Basisinformationsblattes nach PRIIPS kann für die Prospektzusammenfassung verwendet werden, muss dann jedoch um die Angaben zum Emittenten erweitert werden.
  • Es werden Erleichterungen für Sekundäremissionen geschaffen, sodass Unternehmen, die bereits auf öffentlichen Märkten notieren und zusätzliche Aktien oder Schuldtitel (Unternehmensanleihen) begeben wollen, den neuen vereinfachten Prospekt begeben können.
  • Das Prospektbilligungsverfahren wird gestrafft und vereinfacht. Unternehmen, die häufig Wertpapiere begeben, können künftig ein einheitliches Registrierungsformular in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich um eine Art „Rahmenregistrierung“, die alle erforderlichen Informationen über das Unternehmen beinhaltet. Emittenten, die ein solches Formular bei ihren Aufsichtsbehörden regelmäßig aktualisieren, können damit in den Genuss eines beschleunigten Billigungsverfahrens von fünf Tagen (statt bisher 10 Werktagen) kommen.
  • Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde wird erstmals einen kostenlosen Online-Zugang mit Suchfunktion für alle im Europäischen Wirtschaftsraum gebilligten Prospekte zur Verfügung stellen.
  • Zu Zwecken einer Verminderung von Verwaltungsaufwand und zur Schaffung höherer Flexibilität wird es Prospekte in Zukunft hauptsächlich in elektronischer Form geben. Auf Verlangen erhält der Anleger aber weiterhin einen Prospekt in Papierform.