Finanzpolizei deckt auf: Razzia bei Marchfelder Gemüsebauer bringt unfassbare Ausbeutung von Erntehelfern ans Licht Blümel: „Massives Lohn- und Sozialdumping - Arbeiter mussten mehr als 100 Stunden pro Woche bei halbem Kollektivvertrag arbeiten. Werden auch künftig hart durchgreifen“

Die Finanzpolizei kontrollierte am Sonntag, den 6. September 2020, den Betrieb eines Gemüsebauern im Marchfeld. Im Vorfeld wurde beobachtet, dass an diesem Sonntag alle Arbeiter anwesend sind, um das Gemüse in einer Halle zu verpacken. Die Finanzpolizei stellte mehrere Delikte fest: So lagen in zwölf Fällen weitaus verspätete Anmeldungen bei der Sozialversicherung von bis zu sechs Wochen vor und in einem Fall erfolgte überhaupt keine Anmeldung. Dieser Dienstnehmer sei laut dem Unternehmer angeblich zur Einschulung vor Ort gewesen, obwohl er bereits in der Vergangenheit im Betrieb gearbeitet hat.

Finanzminister Gernot Blümel: „Keiner der Erntehelfer wurde gerecht für seine Leistung bezahlt. Teilweise hat der Unternehmer nur den halben Kollektivvertrag ausbezahlt. Diese schwarzen Schafe beuten Arbeiter aus, schädigen den Ruf aller redlichen Unternehmer und bereichern sich auf Kosten der anständigen Steuerzahler. Ich habe null Toleranz für Lohndumping und Sozialbetrug und wir werden hier weiter hart durchgreifen.“

Die Finanzpolizisten sicherten unter anderem die Stundenlisten für das Jahr 2020. Aus diesen geht hervor, dass die Arbeiter offiziell nur 40 Stunden beschäftigt waren, teilweise aber mehr als 100 Stunden pro Woche gearbeitet haben. Die massive Unterentlohnung von rund vier Euro pro Stunde statt dem gesetzlichen Kollektivvertrag von rund acht Euro stellt außerdem einen massiven Verstoß gegen das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz dar.

Insgesamt waren 12 Finanzpolizistinnen und -polizisten im Einsatz und kontrollierten gemeinsam mit Bediensteten des Finanzamts und der österreichischen Gesundheitskasse 23 Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer. Davon handelte es sich bei 21 Personen um Drittstaatsangehörige mit de facto keinen Deutschkenntnissen. Fünf Dolmetscher unterstützten bei der Kontrolle.

Dem Unternehmer kommt sein Vorgehen nun teuer zu stehen: Das Finanzamt und die österreichische Gesundheitskasse haben mehrere Verfahren eingeleitet und dem Unternehmer drohen hohe Geld- und sogar Haftstrafen, da der Strafrahmen für Sozialbetrug bis zu sieben Jahre Haft beträgt.