Fragen und Antworten zur GrESt neu

Informationen zur Grunderwerbsteuer neu geltend ab 1. Jänner 2016.

Was ist die Grunderwerbsteuer?

Die Grunderwerbsteuer besteuert den Erwerb eines inländischen Grundstückes und ist eine sogenannte (Rechts-)Verkehrsteuer. Sie fällt zum Beispiel an, wenn ein Grundstück verkauft, aber auch wenn ein Grundstück vererbt oder verschenkt wird. Sie muss von einem Parteienvertreter (Notar oder Rechtsanwalt) entweder selbst berechnet oder von diesem beim Finanzamt angezeigt werden.

Im Zuge der Steuerreform 2015/2016 wurden bei der Grunderwerbsteuer Maßnahmen getroffen, die für die Bürgerinnen und Bürger Erleichterungen bringen sollen. So zum Beispiel:

Erleichterungen durch die Ausweitung des Familienbegriffs
Der bisher gültige Familienverband wird in § 7 Grunderwerbsteuergesetz (GrEStG) geregelt und umfasst folgenden Personenkreis: Ehegatten, den eingetragenen Partner, den Lebensgefährten, sofern die Lebensgefährten einen gemeinsamen Hauptwohnsitz haben oder hatten, einen Elternteil, ein Kind, ein Enkelkind, ein Stiefkind, ein Wahlkind oder ein Schwiegerkind des Übergebers.

Durch das Steuerreformgesetz 2015/2016 wird der Familienverband nicht mehr im Grunderwerbsteuergesetz geregelt, sondern es wird auf § 26a Gerichtsgebührengesetz (GGG) verwiesen. Der Familienverband gem. § 26a GGG umfasst den bisherigen Personenkreis und zusätzlich noch Geschwister, Nichten und Neffen des Überträgers. Wird ein Grundstück innerhalb dieses Personenkreises übergeben, gilt der Erwerbsvorgang immer als ein unentgeltlicher Erwerbsvorgang. Das bedeutet, dass Gegenleistungen (bezahlter Kaufpreis, übernommene Schulden, Wohnrecht, Ausgedinge) nicht zu beachten sind. Es kommt in diesen Fällen der begünstigte Steuersatz (Stufentarif) und die Ersatzbemessungsgrundlage (Grundstückswert) zur Anwendung.

Verbesserungen für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke
Bei der Übergabe von land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken wird der begünstigte Personenkreis erweitert. Wird ein Grundstück ab 1. Jänner 2016 an Geschwister, Nichten oder Neffen des Überträgers übergeben, kommt in diesen Fällen der begünstigte Steuersatz von 2% und als Bemessungsgrundlage der zum 1. Jänner 2015 festgestellte Einheitswert zu Anwendung.  

Durch den Stufentarif können Übertragungen billiger werden
Bisher gab es im Grunderwerbsteuergesetz zwei Steuersätze: Der Normalsteuersatz von 3,5% und den begünstigten Steuersatz von 2%. Ab 1. Jänner 2016 kommt bei unentgeltlichen Erwerbsvorgängen (immer unentgeltlich sind Erwerbsvorgänge beispielsweise im erweiterten Familienverband gem. § 26a GGG und von Todes wegen) ein Stufentarif zur Anwendung. Für die ersten 250.000 Euro der Bemessungsgrundlage eines Erwerbsvorganges beträgt der Steuersatz 0,5%, für die nächsten 150.000 Euro 2% und darüber hinaus 3,5%. Außerdem werden Erwerbsvorgänge getrennt voneinander dem Stufentarif unterworfen, wenn der Erwerb zwischen verschiedenen Personen stattfindet.

  • Zum Beispiel:
    Ein Vater schenkt sein Haus (Grundstückswert: 500.000 Euro) den beiden Kindern. Kind 1 bekommt 250.000 Euro, Kind 2 bekommt 250.000 Euro. In beiden Fällen ist der Stufentarif anzuwenden. Die Grunderwerbsteuer beträgt in beiden Fällen 1.250 Euro.  

Was ist die Grunderwerbsteuer neu? Worin liegen die Änderungen? 

Das Grunderwerbsteuergesetz sieht in seiner derzeit geltenden Fassung vor, dass bei allen Erwerbsvorgängen (z.B. Kauf, Erbschaft, Schenkung) von Grundstücken (z.B. Einfamilienhaus, Eigentumswohnung) im Familienverband eine Steuer in Höhe von 2% des 3-fachen Einheitswertes zu entrichten ist.

Ab 1. Jänner 2016 ist bei unentgeltlichen Erwerbsvorgängen von nicht land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken künftig ein eigens für die Grunderwerbsteuer ermittelter „Grundstückswert“ heranzuziehen. Dabei werden unter anderem Erwerbsvorgänge im Familienverband (erweiterter Familienverband gem. § 26a Gerichtsgebührengesetz) sowie Erwerbsvorgänge von Todes wegen ausschließlich als unentgeltliche Erwerbsvorgänge behandelt. Der Grundstückswert wird daher innerhalb des Familienverbandes immer als Bemessungsgrundlage herangezogen, gleichgültig ob Zahlungen erfolgen, Wohnrechte eingeräumt oder Schulden übernommen werden.

Gleichzeitig wird ein Stufentarif für unentgeltliche Erwerbsvorgänge eingeführt, der folgende Steuersätze vorsieht:

bis zu 250.000 Euro der Bemessungsgrundlage0,5%
für die nächsten 150.000 Euro der Bemessungsgrundlage 2%
darüber hinaus3,5%


Außerdem kommt es zu einer Ausweitung des Anteilsvereinigungs- bzw. Anteilsübertragungstatbestandes sowie der Regelung über die Befreiung zur gleichteiligen Anschaffung einer Partnerwohnstätte bei Ehegatten/eingetragenen Partnern. Weiters wird ein neuer Tatbestand des Gesellschafterwechsels eingeführt sowie eine Befreiung für Erwerbe von Todes wegen durch Ehegatten/eingetragene Partner.

Wen betreffen die Änderungen der Grunderwerbsteuer?

  • Jede Person, die an einem entgeltlichen oder unentgeltlichen Erwerbsvorgang eines inländischen Grundstückes beteiligt ist, speziell bei Erwerbsvorgängen innerhalb des Familienverbandes.
  • Bei Gesellschafterwechsel die betroffenen Personengesellschaften.
  • Bei Anteilsvereinigungen bzw. Anteilsübertragungen Personen, die Anteile an einer Personen- oder Kapitalgesellschaft übertragen oder erwerben.

Was ist der Grundstückswert? Wie wird er ermittelt?

Der Grundstückswert ist ab 1. Jänner 2016 die Mindest- und Ersatzbemessungsgrundlage für die Grunderwerbsteuer. Bei folgenden Erwerbsvorgängen ist der Grundstückswert immer als Bemessungsgrundlage heranzuziehen:

  • bei unentgeltlichem Erwerb
  • bei Erwerben von Todes wegen (Erbe)
  • bei Erwerben unter Lebenden im Familienverband iSd § 26a GGG
    (Ehegatten oder eingetragene Partner während aufrechter Ehe (Partnerschaft) oder im Zusammenhang mit der Auflösung der Ehe (Partnerschaft); Lebensgefährten, sofern die Lebensgefährten einen gemeinsamen Hauptwohnsitz haben oder hatten; Verwandte oder Verschwägerte in gerader Linie; Stief-, Wahl- oder Pflegekind oder deren Kinder, Ehegatten oder eingetragenen Partner; sowie Geschwister, Nichten oder Neffen des Übergebers)
  • Gesellschafterwechsel, Anteilsvereinigungen bzw. -übertragungen und Umgründungen nach dem UmgrStG
  • wenn eine Gegenleistung vorhanden, aber nicht ermittelbar ist

Der Grundstückswert kann auf zwei Arten ermittelt werden:

  • Pauschalwertmodell
  • Geeigneter Immobilienpreisspiegel

Außerdem kann der geringere gemeine Wert eines Grundstückes nachgewiesen werden. Die näheren Regelungen zur ziffernmäßigen Bestimmung des Grundstückswertes werden in der Grundstückswertverordnung festgelegt.

Diese drei Möglichkeiten sind rechtlich völlig gleichwertig und es kann für jedes Grundstück frei gewählt werden, welches Verfahren angewendet werden soll.

Grundstückswertverordnung

Eine Verordnung (Grundstückswertverordnung), die das Pauschalwertmodell sowie die Ermittlung anhand eines geeigneten Immobilienpreisspiegels näher regelt, wurde am 21. Dezember 2015 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht. Siehe Grundstückswertverordnung samt Anlage .

Was ist das Pauschalwertmodell?

Das Pauschalwertmodell ist ein Berechnungsverfahren, welches zur Berechnung des Grundstückswertes herangezogen werden kann. Das Pauschalwertmodell beinhaltet grundsätzlich fünf Faktoren, sowie eine Reihe von Abschlägen (Abschlag für Alter, Art des Gebäudes). Es wird die Summe aus dem Grundwert und dem Gebäudewert gebildet. Folgende Formel stellt dies dar:

Grundfläche * 3fachem Bodenwert/m² * Hochrechnungsfaktor (Grundwert)
+
Nutzfläche/gekürzte Bruttogrundfläche * Baukostenfaktor * Abschlag für Alter und Art des Gebäudes (Gebäudewert)


Was sind die einzelnen Faktoren genau und wo bekomme ich sie?

Grundfläche

Die Fläche des gesamten Grundstückes, welches übertragen werden soll. Sie kann z.B. dem Grundbuch oder dem Einheitswertbescheid entnommen werden. Wird nur ein Teil eines Grundstückes übertragen, ist die Grundfläche dementsprechend zu kürzen.

Bodenwert

Der ungekürzte durchschnittliche Bodenwert pro m² eines Grundstückes, der im Rahmen der Ermittlung des Einheitswertes zugrundegelegt wurde. Die Kürzung für die Bebauung (25 %) ist nicht vorzunehmen. Auch die pauschalen Erhöhungen (zuletzt 1. Jänner 1983 um 35 %) sind nicht anzusetzen.
Dieser Wert kann durch die Partei selbst oder den Parteienvertreter (Rechtsanwalt/Notar) ab 1. Jänner 2016 elektronisch über FinanzOnline beim zuständigen Lagefinanzamt angefragt werden.

Hochrechnungsfaktor

In der Anlage zur Grundstückswertverordnung wird ein Hochrechnungsfaktor pro Gemeinde bzw. in den 5 größten Österreichischen Städten pro Bezirk (Wien, Graz) oder Stadtteil (Linz, Salzburg, Innsbruck) bekanntgegeben. Es ist der Hochrechnungsfaktor der jeweiligen Lagegemeinde des Grundstückes in die Formel einzusetzen.

Nutzfläche

  • Wohnnutzfläche
    Die gesamte Bodenfläche einer Wohnung oder eines Wohnheimes, abzüglich
    • Wandstärken und der im Verlauf der Wände befindlichen Durchbrüche (Ausnehmungen)
    • Keller- und Dachbodenräume, soweit sie nach ihrer Ausstattung nicht für Wohnzwecke geeignet sind
    • Treppen, Liftschächte, Loggien, Balkone, Terrassen und unausgebauter Dachraum
  • Nutzfläche von anderen Gebäuden
    Jene Bodenfläche eines Gebäudes, die ihrer Ausstattung nach für den jeweiligen Zweck eines Gebäudes geeignet ist.

Für beide gilt:
Die Fläche des Kellers ist bei der Berechnung der Nutzfläche im Ausmaß von 35% zu berücksichtigen. Damit wird die Fläche, die ihrer Ausstattung nach für Wohnzwecke oder Geschäftszwecke geeignet ist, pauschal berücksichtigt. Liegt nachweislich ein geringeres Ausmaß der Eignung für Wohn- und Geschäftszwecke vor, kann diese geringere Fläche angesetzt werden. Ein Keller ist eine bauliche Anlage, die ganz oder überwiegend unter dem angrenzenden Geländeniveau liegt. Die Fläche einer Garage oder eines Kraftfahrzeugabstellplatzes ist ebenfalls im Ausmaß von 35% anzusetzen.

Bruttogrundrissfläche

Ist die Nutzfläche nicht bekannt, kann stattdessen die Bruttogrundrissfläche, um einen pauschalen Abschlag von 30 % vermindert, zur Berechnung des Wertes des Gebäudes herangezogen werden.  

Die Bruttogrundrissfläche ist jene Fläche, welche sich aus der Summe aller Grundrissflächen aller Grundrissebenen eines Gebäudes errechnet. Die Grundrissfläche ist die Fläche innerhalb der äußeren Begrenzungslinien der Außenwände eines Geschoßes. Ein unausgebauter Dachboden stellt keine Grundrissebene dar.

Für die Ermittlung der Bruttogrundrissfläche eines Gebäudes sind folgende Flächen ausgenommen:

  • nicht überdeckte Bereiche (insbesondere Balkone)
  • konstruktiv oder gestalterisch bedingte Vor- und Rücksprünge an den Außenflächen
  • Kriechkeller, Kellerschächte, Außentreppen, nicht nutzbare Dachflächen oder konstruktiv bedingte Hohlräume

Die Flächenausmaße sind zu ermitteln und um 30% zu kürzen. Diese Kürzung erfolgt, weil die Bruttogrundrissfläche auch Flächen umfasst, die nicht zur Nutzfläche gehören (z.B. Stiegenhaus).

Die Bruttogrundrissfläche eines Kellergeschosses ist mit der Hälfte zu berücksichtigen. Ein Keller ist eine bauliche Anlage, die ganz oder überwiegend unter dem angrenzenden Geländeniveau liegt. Soweit die Bodenfläche einer Garage Teil einer Grundrissebene ist, ist sie bei der Ermittlung der Bruttogrundrissfläche mit der Hälfte anzusetzen. Soweit die Bodenfläche einer Garage nicht Teil einer Grundrissebene ist, ist sie zur Hälfte der Bruttogrundrissfläche hinzuzurechnen (dieser Hälfteansatz erfolgt zusätzlich zum Ansatz mit 70%). 

Baukostenfaktor

Pro Bundesland wird in der Verordnung ein Baukostenfaktor vorgegeben. Dieser ist mit der Nutzfläche bzw. verminderten Bruttogrundrissfläche zu multiplizieren. Außerdem gibt es unterschiedliche Ansätze des Baukostenfaktors, je nach Alter und Art des Gebäudes. 

Bundesland Baukostenfaktor
je Quadratmeter
Wien 1.470 Euro
Niederösterreich 1.310 Euro
Burgenland 1.270 Euro
Oberösterreich 1.370 Euro
Salzburg 1.550 Euro
Tirol 1.370 Euro
Vorarlberg 1.670 Euro
Steiermark 1.310 Euro
Kärnten 1.300 Euro


Ansatz für das Alter des Gebäudes: Je nach Alter des Gebäudes ist der Baukostenfaktor in einem unterschiedlich hohen Ausmaß anzusetzen:

Fertigstellung oder umfassende Sanierung innerhalb der letzten zwanzig Jahre vor dem Erwerbszeitpunkt 100%
Teilsanierung (Z 5) innerhalb der letzten zwanzig Jahre vor dem Erwerbszeitpunkt, wenn Fertigstellung vor mehr als zwanzig Jahren vor dem Erwerbszeitpunkt80%
Fertigstellung innerhalb der letzten vierzig bis zwanzig Jahre vor dem Erwerbszeitpunkt65%
Fertigstellung vor mehr als vierzig Jahren vor dem Erwerbszeitpunkt30%


Sanierung: Eine umfassende Sanierung liegt vor, wenn innerhalb der letzten zwanzig Jahre vor dem Erwerbszeitpunkt mindestens vier der folgenden fünf Maßnahmen umgesetzt wurden, eine Teilsanierung liegt vor, wenn innerhalb der letzten zwanzig Jahre vor dem Erwerbszeitpunkt mindestens zwei der folgenden fünf Maßnahmen umgesetzt wurden:

  • Erneuerung des Außenverputzes mit Erhöhung des Wärmeschutzes
  • Erstmaliger Einbau oder Austausch von Heizungsanlagen
  • Erstmaliger Einbau oder Austausch von Elektro-, Gas-, Wasser- oder Heizungsinstallationen
  • Erstmaliger Einbau oder Austausch von Badezimmern
  •  Austausch von mindestens 75% der Fenster

Abschlag für Art des Gebäudes: Je nach Art des Gebäudes, ist der Baukostenfaktor anzusetzen

Art des GebäudesAnsatz
Gebäude die Wohnzwecken dienen (ausgenommen Gebäude die Richtwert- oder Kategoriemietzins unterliegen)100%
Fabriksgebäuden, Werkstättengebäuden und Lagerhäusern, die Teile der wirtschaftlichen Einheit eines Fabriksgrundstückes
60%
bei einfachsten Gebäuden (z.B. Glashäuser, Kalthallen, Gerätehäuser oder nicht ganzjährig bewohnbare Schrebergartenhäuser) sowie bei behelfsmäßiger Bauweise25%
bei allen anderen Gebäuden71,25%

Wie wurden die Hochrechnungsfaktoren ermittelt?

Mit der Hauptfeststellung zum 1.1.1973 wurde für jedes Grundstück des Grundvermögens in Österreich ein Bodenwert ermittelt. Für die Ermittlung der Hochrechnungsfaktoren wurden die durchschnittlichen Bodenwerte pro m² unbebauten Grund pro Gemeinde den durchschnittlichen Verkehrswerten pro m² unbebauten Grund pro Gemeinde gegenübergestellt. Die heutigen Verkehrswerte wurden aus Werten der Kaufpreissammlung der Finanzverwaltung sowie verschiedenen frei verfügbaren Werten errechnet. Im Pauschalwertmodell wird durch die Multiplikation des individuellen Bodenwertes mit dem Hochrechnungsfaktor der aktuelle Verkehrswert pauschal hochgerechnet. Durch die Hochrechnung des Bodenwertes wird gewährleistet, dass die darin berücksichtigte individuelle Lage eines Grundstückes innerhalb einer Gemeinde (z.B. Lage an einem See oder an einer Autobahn) auf den hochgerechneten Wert durchschlägt.

Durch Anwendung des Pauschalwertmodelles ist es nicht notwendig, bei der unentgeltlichen Übertragung von Grundstücken den Wert des Grundstückes zB mit einem Schätzgutachten nachzuweisen, sondern es kann kostengünstig, relativ einfach und schnell eine Bemessungsgrundlage ermittelt werden. Weiters ermöglicht es die Methode, die individuellen Verhältnisse eines Grundstückes zu berücksichtigen.

Folgendes muss dabei beachtet werden:

Der Hochrechnungsfaktor hat – für sich allein genommen – keine Aussagekraft über die genaue Wertentwicklung einer Gemeinde bzw. eines Stadtteiles, sondern stellt das Verhältnis zu den durchschnittlichen Bodenwerten zum 1.1.1973 dar. Wenn etwa Nachbargemeinden aktuell einen annähernd gleichen durchschnittlichen Verkehrswert aufweisen, jedoch unterschiedlich hohe Hochrechnungsfaktoren haben, so liegt dies daran, dass die durchschnittlichen Wertansätze zum 1.1.1973 höher bzw. geringer waren. So lässt sich auch erklären, dass Innenstadtlagen teilweise niedrigere Hochrechnungsfaktoren haben als die in den letzten 40 Jahren stärker an Interesse gewonnen Randbereiche von Städten („Speckgürtel“).

Was ist der geeignete Immobilienspiegel?

Die Verordnung legt den geeigneten Immobilienpreisspiegel fest, der für die Ermittlung des Grundstückswertes heranzuziehen ist. Für Erwerbsvorgänge in den folgenden Zeiträumen kann jeweils ausschließlich der genannte Immobilienpreisspiegel herangezogen werden:

  • 1. Jänner 2016 – 31. Dezember 2016: Immobilienpreisspiegel der WKO, Fachverband für Immobilien- und Vermögenstreuhänder
  • Ab 1. Jänner 2017: Tabelle der Immobiliendurchschnittspreise der Statistik Austria 

Der Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer Österreich, Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, kann beim entsprechenden Fachverband der Wirtschaftskammer bestellt werden (https://www.wko.at/Content.Node/branchen/oe/sparte_iuc/ImmoVermoegen/Publikationen/Immobilienpreisspiegel_2016.html). Der Immobilienpreisspiegel der Statistik Austria ist noch nicht verfügbar.

Der Wert des Grundstückes ist nach dem jeweiligen Immobilienpreisspiegel zu ermitteln. Von diesem Wert ist ein Abschlag von 28,75 % vorzunehmen. Der so ermittelte Wert kann als Grundstückswert herangezogen werden.

  • Hinweis: Ein Immobilienpreisspiegel darf nur dann verwendet werden, wenn die Vorgaben für die jeweilige Grundstücks- oder Gebäudekategorie mit den Eigenschaften des zu bewertenden Grundstückes übereinstimmen.

Wie weise ich den geringeren gemeinen Wert eines Grundstückes nach?

Der gemeine Wert eines Grundstückes kann auf verschiedene Art und Weise nachgewiesen werden. Beispielsweise durch:

  • Schätzungsgutachten
  • Kaufpreis bei nicht lang zurückliegendem Ankauf
  • Kaufpreis von vergleichbaren Liegenschaften
  • Wurde ein Hypothekarkredit aufgenommen, kann der dem Kredit zugrunde gelegte Wert laut Bankenschätzung herangezogen werden

Diese Beweismittel unterliegen grundsätzlich der freien Beweiswürdigung durch die Behörde. Wird ein Schätzungsgutachten (Gutachten iSd Liegenschaftsbewertungsgesetz) von einem allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Immobiliensachverständigen erstellt, hat das Gutachten die Vermutung der Richtigkeit für sich.

Welchen dieser drei Werte muss ich nehmen?

Grundsätzlich kann jede der drei Methoden (Pauschalwertmodell, Immobilienpreisspiegel, nachgewiesener geringerer gemeiner Wert) für die Ermittlung der Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer herangezogen werden. Es besteht sohin Wahlfreiheit.

Wer berechnet die Grunderwerbsteuer?

Die Grunderwerbsteuer wird in der Regel vom Rechtsanwalt oder Notar selbst berechnet und an das Finanzamt abgeführt. Berechnet der Rechtsanwalt oder Notar die Grunderwerbsteuer nicht selbst, muss er – und nicht der Steuerpflichtige - den Erwerbsvorgang beim zuständigen Finanzamt elektronisch anzeigen und eine Grunderwerbsteuererklärung (ebenfalls elektronisch) einreichen.

Wenn ich die neue Grunderwerbsteuer nicht bezahlen kann, was kann ich dann tun?

Die Steuer kann bei unentgeltlichen Erwerbsvorgängen (z.B. immer im Familienverband oder von Todes wegen) auf bis zu fünf gleiche Jahresbeträge aufgeteilt werden. Der Gesamtbetrag wird dabei je nach Anzahl der Aufteilungsbeträge erhöht. Wird eine Steuerschuld von 10.000 Euro verteilt, ergeben sich je nach Anzahl der Teilbeträge folgende Erhöhungsbeträge:

VerteilungErhöhung um
Gesamt-betragJahres-betrag
2 Jahre4 %10.400 Euro5.200 Euro
3 Jahre6 %10.600 Euro3.533,33 Euro
4 Jahre8 %10.800 Euro2.700 Euro
5 Jahre10 %11.000 Euro
2.200 Euro

Die Inanspruchnahme der Verteilung ist nur möglich, wenn der Notar/Rechtsanwalt eine Abgabenerklärung beim Finanzamt einreicht (nicht bei Selbstberechnung der Grunderwerbsteuer durch Notar/Rechtsanwalt). Die erste Rate ist abhängig vom Zeitpunkt der Zustellung des Grunderwerbsteuerbescheides fällig, die Folgeraten jeweils am 31. März der Folgejahre.

Fallbeispiele - Berechnung des Grundstückswertes mit dem Pauschalwertmodell

Beispiel 1 - Einfamilienhaus in Kindberg (Stmk)

Grundstücksfläche: 1.000 m², Bodenwert lt. EW-Bescheid: 41,28 ATS/m², Hochrechnungsfaktor lt. Anlage zur VO: 2

Baujahr: 1960, Austausch von mindestens 75% der Fenster 2010, Erneuerung des Außenverputzes mit Erneuerung der Wärmedämmung 2011, Austausch der Heizungsanlage 2013, Austausch der Badezimmer 2012, Bruttogrundfläche Erdgeschoss und erster Stock: 240 m², Keller: 120 m², Garagenfläche: 36 m², Baukostenfaktor für Steiermark: 1.310 Euro

Bodenwert: 41,28 / 13,76 * 1.000 * 2 * 3 = 18.000 Euro

Gebäudewert: 240 * 70% * 1.310 + 120 * 70% * 50% * 1.310 + 36 * 70% * 50% * 1310 = 291.606 Euro

Grundstückswert: 18.000 + 291.606= 309.606 Euro

Beispiel 2 - Eigentumswohnung (Errichtung 1960) in 1040 Wien

Generalsanierung 2008, Anteile 61/2881

Nutzfläche 65 m², dreifacher Bodenwert des gesamten Grundstückes 441.501 Euro, Hochrechnungsfaktor lt. Anlage zur VO: 3,5, Baukostenfaktor für Wien: 1.470 Euro

Berechnung des Grundstückswertes:

(441.501 * 61/2 881 * 3,5) + (65 * 1.470) = 32.717,97 + 95.550 = 128.267,97 Euro

Beispiel 3 - Einfamilienhaus in Meiningen (Vbg)

Baujahr 2009, Nutzfläche 114 m², Garage angebaut 25 m², dreifacher Bodenwert 9.780 Euro, Hochrechnungsfaktor lt. Anlage zur VO: 10,5, Baukostenfaktor für Vorarlberg: 1.670 Euro

Berechnung des Grundstückswertes:

(9.780 * 10,5) + (114 * 1.670) + (25 * 35% * 1.670) = 102.690 + 190.380 + 14.612,5 = 307.682,5 Euro

Beispiel 4 - Eigentumswohnung in Parsch (Sbg)

Baujahr 1989, Anteile 144/2928, Nutzfläche 100 m², dreifacher Bodenwert des gesamten Grundstückes 130.548 Euro, Hochrechnungsfaktor lt. Anlage zur VO: 9, Baukostenfaktor für Salzburg: 1.550 Euro

Berechnung des Grundstückswertes:

(130.548 * 144/2928 * 9) + (100 * 1.550 * 65%) = 57.783,54 + 100.750 = 158.533,54 Euro

Beispiel 5 - Betriebsgrundstück mit Fabriksgebäude in Rohrbach-Berg (OÖ)

Baujahr 2007, Bruttogrundfläche 1.125 m², dreifacher Bodenwert 103.617 Euro, Hochrechnungsfaktor lt. Anlage zur VO: 2, Baukostenfaktor für Oberösterreich: 1.370 Euro, Bau-/Nutzungsminderung 60 %

Berechnung des Grundstückswertes:

(103.617 * 2) + (1.125 * 70% * 1.370 * 60%) = 207.234 + 647.325 = 854.559 Euro

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