Langfristige Herausforderungen Wirtschaftliche und finanzielle Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf die Pensions-, Gesundheits- und Alterspflege

In den kommenden Jahrzehnten wird sich die Bevölkerungsstruktur in Österreich stark verändern. Die so genannte Babyboomer-Generation wird aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, gleichzeitig wird jedoch die Geburtenrate niedrig bleiben und die Lebenserwartung weiter ansteigen. Vor diesem Hintergrund wird sich die Zahl der über 65-Jährigen Menschen zwischen heute und 2060 fast verdoppeln. Gleichzeitig sinkt jedoch die Zahl der potentiell Erwerbstätigen (15 bis 64 Jahre) über denselben Zeitraum.

Langfristige demographische und wirtschaftliche Entwicklungen

Kommt heute eine Person, die älter als 65 Jahre ist, noch auf vier Personen im erwerbsfähigen Alter, sollen es bis 2060 nur mehr zwei Personen sein. Dieser demographische Wandel in Österreich wird sich spürbar auf die öffentlichen Haushalte und auch auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Eine geringere Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter führt einerseits zu einem geringeren Wirtschaftswachstum als heute, andererseits belastet eine fortschreitende Alterung der Bevölkerung durch Mehrausgaben für Pensionen, Gesundheit und Alterspflege die öffentlichen Haushalte.
Die Ageing Working Group (AWG) des Wirtschaftspolitischen Ausschusses der EU (WPA) hat 2015 gemeinsam mit der Europäischen Kommission (EK) zum fünften Mal eine Aktualisierung der Langfristprojektionen altersabhängiger öffentlicher Ausgaben in der EU veröffentlicht. Dabei wurden die langfristigen Effekte der Bevölkerungsalterung auf die Ausgaben in den Bereichen Pensionen, Gesundheit, Pflege, Bildung und Arbeitslosenbeihilfen berechnet. Die Projektionen dieser altersabhängigen Ausgaben in der EU sollen die Herausforderungen und den potentiellen Reformbedarf aufzeigen.

Entwicklung der Ausgaben bis 2060

Altersabhängige Ausgaben belasten das Budget heute mit 27,9% des BIP. Diese Belastung wird jedoch – hauptsächlich demographiebedingt – um knapp 3%-Punkte auf 30,8% des BIP bis 2060 ansteigen. Der Anstieg im EU-Mittel fällt mit 1,4% des BIP (Eurozone 1,5% des BIP) deutlich geringer aus.

Konkret steigen die gesamten öffentlichen Pensionsausgaben von 13,9% des BIP im Jahr 2013 auf den Höchststand von 14,7% des BIP im Jahr 2037 – aufgrund der Baby-Boom-Generation im Ruhestand – und gehen dann wieder leicht auf 14,4% des BIP im Jahr 2060 zurück. Zu den Pensionsausgaben zählen jene für die gesetzliche Pensionsversicherung, Beamtenpensionen und Ausgleichszulagen sowie das Rehabilitationsgeld. Dabei steigen die Ausgaben der gesetzlichen Pensionsversicherung von heute 10,4% des BIP auf 13,4% des BIP im Jahr 2060, während der Rückgang der Pensionen von Beamtinnen und Beamten von heute 3,5% des BIP auf 0,9% des BIP im Jahr 2060 dämpfend wirkt.

Für die übrigen Kategorien werden folgende Verläufe in den Hauptszenarien für Österreich projiziert:

  • Gesundheitsausgaben: von 6,9% des BIP heute auf 8,2% des BIP 2060 (+1,3 PP)
  • Pflegeausgaben: von 1,4% des BIP heute auf 2,6% des BIP 2060 (+1,3 PP)
  • Bildungsausgaben: gleichbleibend bei 4,9% des BIP von heute bis 2060 (+/‐ 0 PP)
  • Arbeitslosenausgaben: von 0,8% des BIP heute auf 0,6% des BIP 2060 (‐0,2 PP)

Links:

The EPC's Working Group on Ageing Populations and Sustainability (AWG)

The 2015 Ageing Report: Economic and budgetary projections for the 28 EU Member States (2013-2060)

The 2015 Ageing Report: Underlying Assumptions and Projection Methodologies