Internationaler Währungsfonds

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wurde 1945 mit dem Ziel errichtet, dass die Mitgliedsländer (derzeit 189 Länder) in Fragen der internationalen Währungspolitik zusammenarbeiten und sich gegenseitig finanzielle Hilfe zur Überwindung von Zahlungsbilanzschwierigkeiten leisten. Weitere Aufgaben des IWF sind laut Satzung u.a. die Förderung des internationalen Handels und der Wechselkursstabilität.

Wie funktioniert der IWF?

Zu den Organen des IWF zählen der Gouverneursrat, das Exekutivdirektorium, die geschäftsführende Direktorin/der geschäftsführende Direktor und beratende Ausschüsse. Der wichtigste Ausschuss ist das International Monetary and Financial Committee (IMFC). Der Gouverneursrat ist das oberste Gremium des IWF. Jedes Mitgliedsland ist dort durch eine Gouverneurin/einen Gouverneur sowie eine Stellvertreterin/einen Stellvertreter vertreten. Der Gouverneursrat ist für die wichtigsten Fragen, wie z.B. Aufnahme neuer Mitglieder, Festsetzung und Änderung der Anteile der Mitglieder am Fonds (sogenannte Quoten) sowie die Neuzuteilung von Sonderziehungsrechten (SZR) zuständig.

Das Exekutivdirektorium besteht aus 24 gewählten Direktorinnen/Direktoren, denen die laufende Geschäftsführung des IWF obliegt. Mit Ausnahme der fünf Direktorinnen/Direktoren der Mitgliedstaaten mit den größten Quoten vertreten die anderen Direktoren jeweils mehrere Mitgliedsländer, die in Stimmrechtsgruppen zusammengefasst sind. Österreich befindet sich mit Weißrussland, Tschechien, Ungarn, Kosovo, Slowakei, Slowenien und der Türkei in einer gemeinsamen Stimmrechtsgruppe. Die Direktorinnen/Direktoren wählen die geschäftsführende Direktorin/den geschäftsführenden Direktor des IWF

Das Kapital des IWF wird von den Mitgliedsländern bereitgestellt. Jedem Mitglied ist ein Kapitalanteil, die sogenannte Quote, zugewiesen. Die Quote bestimmt die Einzahlungsverpflichtung, das Stimmrecht und das Recht zum finanziellen Rückgriff auf den Fonds. Das Gesamtvolumen der Quoten beläuft sich derzeit auf 477 Mrd. SZR. Der österreichische Quotenanteil liegt bei 0,84%.

IWF Art. IV Konsultation 2021

Die Art. IV Konsultation ist eine im Artikel IV des Übereinkommens über den IWF enthaltene Bestimmung über ein jährlich mit dem IWF abzuhaltendes Konsultationsgespräch betreffend die Wirtschaftslage eines Mitgliedslandes. Am 15. Juni 2021 hat der IWF Ergebnisse der diesjährigen Artikel IV Konsultation mit Österreich veröffentlicht.

Ergebnisse der Art. IV Konsultation 2021

Laut IWF wurde die österreichische Wirtschaft hart von der Pandemie getroffen. Real sei das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2020 um 6,3% zurückgegangen. Die Verluste am Arbeitsmarkt hielten sich jedoch in Grenzen, was vor allem auf die Kurzarbeit zurückzuführen sei. Der Fonds geht davon aus, dass sich die Wirtschaft 2021 erholen wird. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass die Pandemie auch mittelfristig Spuren hinterlasse.

Das Defizit stieg im Jahr 2020 auf 8,9% des BIP. 2021 soll es auf 6,5% des BIP zurückgehen. Der Schuldenstand dürfte 2022 eine Spitze von 86% des BIP erreichen, bevor er dann mittelfristig wieder abnimmt. Insgesamt sei die Reaktion von öffentlicher Seite auf die Pandemie in Höhe von 13% des BIP sehr umfangreich gewesen. Auch das Paket zur Belebung der Wirtschaft und zur Verhinderung mittelfristiger Einbußen wird vom IWF begrüßt, wobei der Fonds noch zusätzlichen Spielraum sieht. Positiv hervorgehoben wird in diesem Zusammenhang der Fokus auf die Transformation hin zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft. Allerdings seien zusätzliche Anstrengungen notwendig, um die Klimaziele Österreichs zu erreichen.

Am Arbeitsmarkt seien Anzeichen einer Entspannung auszumachen. Der IWF empfiehlt in diesem Zusammenhang Maßnahmen, die die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie deren Umverteilungen begünstigen. Mehr Anstrengungen sollen zudem in den Bereich Digitalisierung fließen, um die Produktivität sowie das Wachstumspotenzial Österreichs zu steigern.

Handlungsbedarf sieht der IWF auch im Bereich der langfristigen Ausgaben vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung. Laut dem Fonds seien Liquiditätsengpässe bei Haushalten und Unternehmen durch Hilfsmaßnahmen verhindert worden, das Solvenzrisiko im Unternehmenssektor sei jedoch gestiegen. In diesem Zusammenhang wird betont, dass der österreichische Finanzsektor, der sich bereits vor der Krise in einem guten Zustand befunden habe, gut durch die Krise gekommen sei. Weiterhin zu beobachten sei die Entwicklung im Immobiliensektor, wo die Preise weiter ansteigen würden. Schließlich müsse die Bankenregulierung- sowie aufsicht weiter gestärkt werden.

Austria 2021 Article IV Consultation (Concluding Statement)

Financial Sector Assessment Program (FSAP)

Im Rahmen des FSAP erstellt der IWF eine detaillierte Analyse des Finanzsektors eines Mitgliedslandes. Das FSAP ist zusammen mit der Art. IV Konsultation das wichtigste Überwachungsinstrument des IWF und liefert auch Informationen für die Art. IV Konsultation. Das Ergebnis des FSAP wird im Financial System Stability Assessment (FSSA) zusammengefasst. Der letzte – sehr positive – Bericht zu Österreich wurde am 3. Februar 2020 vom IWF veröffentlicht.

Austria 2020 Financial System Stability Assessment

Weiterführende Informationen:

Homepage des IWF: www.imf.org

Letzte Aktualisierung: 17. Juni 2021