Carbon Management & CCS Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen über aktuelle Entwicklungen zum Thema Carbon Management und Carbon Capture and Storage (CCS) in Österreich.
Carbon Management als Teil der österreichischen Klimapolitik
Für das Erreichen der Klimaneutralität Österreichs bzw. eine Einhaltung der unionsrechtlichen Klimaziele haben kosteneffektive nationale Maßnahmen zur Minderung und Vermeidung von Treibhausgasemissionen und zur Effizienzsteigerung weiterhin absolute Priorität. Trotz bereits implementierter bzw. in Planung befindlicher Maßnahmen zur Treibhausgas-Reduktion wird die Republik in Zukunft aber mit einem Rest an schwer bzw. nicht vermeidbaren Treibhausgasemissionen umgehen müssen. Das betrifft neben kleinen, dezentralen Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft (vor allem mit Methan- und Lachgasemissionen) auch größere Punktquellen in der Industrie (insbesondere Emissionen aus Industrieprozessen wie beispielsweise der Zement- oder Feuerfestindustrie). Mögliche Lösungsansätze für diese Restemissionen sowie der generelle Umgang mit natürlichen und technischen Treibhausgas-Senken in Österreich können folgenden drei Themenbereichen zugeordnet werden:
- Carbon Capture and Storage (CCS)
- Carbon Capture and Utilization (CCU)
- Carbon Dioxide Removal (CDR, durch natürliche und technische Senken)
Carbon Management bildet hierbei eine Brücke zwischen Klima- und Budgetpolitik und befasst sich mit Fragen der finanziellen Implementierbarkeit sowie der notwendigen Rahmenbedingungen für einen kosteneffektiven Umgang mit schwer bzw. nicht vermeidbaren CO2-Emissionen.
Carbon Capture and Storage (CCS) soll künftig auch in Österreich möglich werden
Ein wichtiger Baustein im Umgang mit schwer bzw. nicht vermeidbaren CO2-Emissionen im Rahmen von Carbon Management ist Carbon Capture and Storage (CCS), d. h. die Möglichkeit, nicht-reduzierbare CO2-Emissionen abzuscheiden, zu transportieren und permanent geologisch zu speichern. Auch der Weltklimarat (das IPCC) erkennt an, dass der CO2-Abscheidung und -Speicherung für die Umsetzung der im Übereinkommen von Paris festgelegten Klimaziele eine wichtige Rolle zukommt.
Bisher ist im gesamten österreichischen Bundesgebiet die permanente geologische Speicherung von CO₂-Emissionen verboten (BGBl. I Nr. 144/2011) – mit einigen wenigen Ausnahmen für Forschungszwecke.
Dieses Verbot soll nun aufgehoben werden (MRV 61/21 (PDF, 118 KB)), womit die permanente geologische Speicherung von schwer bzw. nicht vermeidbaren CO2-Emissionen im Bundesgebiet künftig unter strengen Auflagen erstmalig ermöglicht werden soll. Gleichzeitig soll mit der vollinhaltlichen Umsetzung der EU-Richtlinie über die geologische Speicherung von Kohlendioxid (2009/31/EG) ein strenger Rechtsrahmen für die Genehmigung, den Betrieb und die Nachsorge von permanenten geologischen CO2-Lagerstätten in Österreich geschaffen werden.
Hinweis
Am 22.9.2026 wurde der Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Bundesgesetz über das Verbot der geologischen Speicherung von Kohlenstoffdioxid aufgehoben und das Bundesgesetz über die geologische Speicherung von Kohlenstoffdioxid (KSp-G) erlassen wird, dem Begutachtungsverfahren zugeführt.
Unabhängige und wissenschaftlich fundierte Informationen zu Chancen und Risiken von CCS werden vorbereitet
Mit der möglichen Einführung der geologischen CO₂-Speicherung in Österreich sind zahlreiche technische, ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen verbunden. Dazu zählen etwa Fragen zur Sicherheit geeigneter Speicherstätten, zu möglichen Umweltauswirkungen, zur langfristigen Überwachung sowie zu Transport und Infrastruktur.
Ein Konsortium aus zwei einschlägigen Expertenorganisationen mit geologischem und ökologischem Hintergrund wird die fachlichen Grundlagen zu CCS verständlich aufbereiten und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Chancen, Voraussetzungen und mögliche Risiken der CO₂-Speicherung sollen damit transparent und faktenbasiert dargestellt werden. Neben einem umfassenden Online-Informationsangebot wird auch eine Anlaufstelle für Fragen und Anliegen der Öffentlichkeit eingerichtet. Die beiden Expertenorganisationen sollen die weitere Entwicklung von CCS in Österreich fachlich begleiten, aktuelle Informationen und wissenschaftliche Analysen bereitstellen und so eine informierte Diskussion und Meinungsbildung unterstützen.
Hinweis
Weitere Informationen zum angekündigten Online-Informationsangebot, Antworten auf häufige Fragen und Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme mit den Expertinnen und Experten (Anlaufstelle) werden in Kürze hier bereitgestellt.
Am 26. Juni 2024 hat der Ministerrat die österreichische Carbon Management Strategie (CMS) beschlossen (MRV 103a/1 (PDF, 105 KB)).
Zentrale Empfehlung der CMS ist die Zulassung der geologischen Speicherung im Bundesgebiet von schwer bzw. nicht vermeidbaren CO2-Emissionen unter strengen Sicherheits- und Umweltauflagen. Die Erstellung der CMS wurde durch einen international besetzten Wissenschaftsbeirat (vgl. Reiter „Der Wissenschaftsbeirat der Carbon Management Strategie“) unter Zuhilfenahme der verfügbaren Daten und internationaler best-practice-Beispiele umfassend begleitet. Im Rahmen der Erstellung der CMS wurden konkrete Reformschritte identifiziert, um in Zukunft bei der kosteneffektiven Erreichung der österreichischen Klimaziele auch auf CCS und CCU sowie technische und natürliche Senken zurückgreifen zu können.
Der resultierende Aktionsplan umfasst als zentralen ersten Schritt die Schaffung des grundlegenden rechtlichen Rahmens zum Einstieg in ein gesamtheitliches und vollständiges Carbon Management. Hierzu zählen insbesondere:
- Die Aufhebung des Verbots der geologischen CO2-Speicherung im Bundesgebiet und die zeitgleiche Schaffung des notwendigen Rechtsrahmens für die geologische CO2-Speicherung durch vollinhaltliche Umsetzung der EU CCS-Richtlinie.
- Die Evaluierung und Anpassung der Rechtslage des rohrleitungsgebundenen CO2-Transports.
Durch das Aufheben des bisher gültigen CCS-Verbots tritt die CMS nun in Phase 2 ein. Während dieser sollen nun zahlreiche Maßnahmen gesetzt werden, um den Aufbau der notwendigen Infrastruktur effizient und effektiv zu planen und umzusetzen.
Die österreichische Carbon Management Strategie ist unter folgendem Link zugänglich:
Im Rahmen der Erstellung der österreichischen Carbon Management Strategie wurde ein unabhängiger und mit internationalen Expertinnen und Experten aus den Themenfeldern der CMS besetzter Wissenschaftsbeirat eingerichtet.
Unter Berücksichtigung der Priorität von Maßnahmen zur Minderung und Vermeidung von Treibhausgasemissionen und zur Effizienzsteigerung erstellte der Wissenschaftsbeirat in einem ersten Schritt eine einheitliche Definition von „hard-to-abate“ und leitete daraus potentielle Anwendungsbereiche für Carbon Capture and Storage/Use ab. Zudem stellte der Wissenschaftsbeirat technische, sozio-ökonomische und ökologische Grundsätze und Prämissen zum Aufbau einer Carbon Management Strategie für Österreich bereit.
Die Ergebnisse des Wissenschaftsbeirats sind unter folgendem Link zugänglich:
Die Mitglieder des Wissenschaftsbeirats:
- Dr.in Brigitte Bach (AIT – Austrian Institute of Technology)
- Dr. Oliver Geden (SWP Berlin – Stiftung Wissenschaft und Politik)
- Prof. Gottfried Kirchengast (Universität Graz)
- Prof. Holger Ott (Montanuniversität Leoben)
- Dr.in Ilse Schindler (Umweltbundesamt)
- Prof.in Sigrid Stagl (Wirtschaftsuniversität Wien)
- Prof. Karl Steininger (Wegener Center der Universität Graz)
Kontakt
Für Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen jederzeit unter carbonmanagement@bmf.gv.at zur Verfügung.