Absetzbeträge bei niedrigen Einkünften (SV-Rückerstattung)

In bestimmten Fällen kann es bei niedrigen Einkünften vorkommen, dass Sie eine Steuergutschrift erhalten. Wir wollen Sie hier kurz informieren, wie es dazu kommt und welche Umstände gegeben sein müssen.

Beziehen Sie kein oder ein geringes Einkommen, kann es in folgenden Fällen zu einer Steuergutschrift oder zu einer Sozialversicherungs-Rückerstattung („Negativsteuer“) kommen:

ArbeitnehmerInnenveranlagung 2016 bis 2018

Ergibt sich auf Grund der Absetzbeträge eine Einkommensteuer unter null, wird der Alleinverdienerabsetzbetrag oder der Alleinerzieherabsetzbetrag erstattet.

Einkünfte, die auf Grund zwischenstaatlicher (Doppelbesteuerungsabkommen) oder völkerrechtlicher (z.B. UNIDO, IAEO) Vereinbarungen steuerfrei sind, werden für Zwecke der Berechnung der Erstattung wie steuerpflichtige Einkünfte behandelt.

Besteht Anspruch auf den Verkehrsabsetzbetrag und es ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, werden 50 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens aber 400 Euro jährlich, rückerstattet (SV-Rückerstattung), bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale beträgt die SV-Rückerstattung höchstens 500 Euro.

Besteht Anspruch auf den Pensionistenabsetzbetrag und es ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, werden 50 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens aber 110 Euro jährlich, rückerstattet (SV-Rückerstattung).

Die Erstattung erfolgt im Wege der ArbeitnehmerInnenveranlagung und ist mit der Einkommensteuer unter null begrenzt.

Kindermehrbetrag - ab der ArbeitnehmerInnenveranlagung für 2019

Bei der SV-Rückerstattung gelten die Regelungen 2016 bis 2018 unverändert weiter. Zusätzlich gibt es seit 2019 den Familienbonus Plus, der als Absetzbetrag die Steuerlast der betreffenden Eltern reduziert. Bei geringverdienenden Steuerzahlern entfällt daher die Steuerlast komplett, wenn sie niedriger ist als der Familienbonus Plus. Der Familienbonus Plus führt aber nicht wie der Alleinverdienerabsetzbetrag oder der Alleinerzieherabsetzbetrag zu einer Steuergutschrift.

Alle Alleinerzieher und Alleinverdiener erhalten aber ab der ArbeitnehmerInnenveranlagung für 2019 bis 2021 eine Mindestentlastung von 250 Euro - den so genannten Kindermehrbetrag - pro Kind und Jahr. Wird mindestens 11 Monate (330 Tage) Arbeitslosengeld/Mindestsicherung oder eine Leistung aus der Grundversorgung bezogen, steht der Kindermehrbetrag nicht zu.

Beispiel

Ein Alleinerzieher erhält im Jahr 2019 für zwei in Österreich lebende Kinder das ganze Jahr Familienbeihilfe. Seine Steuer vor Berücksichtigung des Familienbonus Plus und sonstiger Absetzbeträge beträgt 300 Euro. Ihm steht daher ein Kindermehrbetrag von 200 Euro zu: Um diesen Betrag zu errechnen, werden von der Steuer in Höhe von 300 Euro für jedes der zwei Kinder 250 Euro (also 500 Euro) abgezogen. Der Differenzbetrag (200 Euro) wird im Rahmen der ArbeitnehmerInnenveranlagung ausbezahlt.

Durch den Familienbonus Plus wird die Steuer auf null verringert. Der Alleinerzieher erhält den Alleinerzieherabsetzbetrag für zwei Kinder (669 Euro) ausbezahlt. Außerdem erhält er den Verkehrsabsetzbetrag von 400 Euro, durch diesen werden SV-Beiträge zu 50 Prozent, höchstens aber 400 Euro, rückerstattet. Dem Alleinerzieher werden also bei seiner ArbeitnehmerInnenveranlagung insgesamt 1.269 Euro (200 Euro Kindermehrbetrag, 669 Euro Alleinerzieherabsetzbetrag und 400 Euro SV-Rückerstattung) ausbezahlt.

Ab dem Jahr 2023 beträgt der Kindermehrbetrag bis zu 450 Euro (2022: 350 Euro) pro Kind und ist an andere Voraussetzungen geknüpft. Wenn für das Kind mehr als sechs Monate im Jahr der Kinderabsetzbetrag zusteht, steht der Kindermehrbetrag zu,

  • bei Anspruch auf den Alleinverdiener- oder Alleinerzieherabsetzbetrag und einer errechneten Tarifsteuer unter 450 Euro (2022: 350 Euro), oder
  • wenn in einer (Ehe)Partnerschaft beide Partner Einkünfte erzielen und die darauf entfallende Tarifsteuer jeweils weniger als 450 Euro (2022: 350 Euro) beträgt. Der Kindermehrbetrag steht in diesen Fällen nur einmal pro Kind der familienbeihilfenberechtigten Person zu.

Voraussetzung ist, dass zumindest 30 Tage im Kalenderjahr steuerpflichtige aktive Erwerbseinkünfte erzielt werden (d.h. Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus selbständiger Arbeit, aus Gewerbebetrieb oder aus nichtselbständiger Arbeit). Ein Anspruch auf den Kindermehrbetrag besteht außerdem, wenn ganzjährig Kinderbetreuungsgeld oder Pflegekarenzgeld bezogen wurde.

ArbeitnehmerInnenveranlagung für 2020

Bei der SV-Rückerstattung für ArbeitnehmerInnen gelten die Regelungen ab 2016 weiter. Werden bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten, steht jedoch ab dem Veranlagungsjahr 2020 zusätzlich ein SV-Bonus zu:

Wenn das Einkommen des Steuerpflichtigen 15.500 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt, erhöht sich der Verkehrsabsetzbetrag um 400 Euro (Zuschlag). Der Zuschlag vermindert sich zwischen Einkommen von 15.500 Euro und 21.500 Euro gleichmäßig einschleifend auf null (Berücksichtigung nur im Rahmen der Veranlagung). Bei Anspruch auf den Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag erhöht sich auch die maximale SV-Rückerstattung um bis zu 400 Euro (SV-Bonus).

Besteht Anspruch auf den Pensionistenabsetzbetrag und ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, werden 75 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens aber 300 Euro jährlich rückerstattet. Die Erstattung erfolgt im Wege der Veranlagung und ist mit der Einkommensteuer unter null begrenzt.

ArbeitnehmerInnenveranlagung für 2021

Ergibt sich auf Grund der Absetzbeträge eine Einkommensteuer unter null, wird der Alleinverdienerabsetzbetrag oder der Alleinerzieherabsetzbetrag insoweit erstattet.

Besteht Anspruch auf den Verkehrsabsetzbetrag und es ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, werden 55 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens aber 400 Euro jährlich, rückerstattet (SV-Rückerstattung), bei Anspruch auf ein Pendlerpauschale beträgt die SV-Rückerstattung höchstens 500 Euro.

Wenn das Einkommen des Steuerpflichtigen 16.000 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigt, erhöht sich der Verkehrsabsetzbetrag um 650 Euro (Zuschlag). Der Zuschlag vermindert sich zwischen Einkommen von 16.000 Euro und 24.500 Euro gleichmäßig einschleifend auf null (Berücksichtigung nur im Rahmen der Veranlagung). Bei Anspruch auf den Zuschlag zum Verkehrsabsetzbetrag erhöht sich auch die maximale SV-Rückerstattung um bis zu 650 Euro (SV-Bonus).

Besteht Anspruch auf den Pensionistenabsetzbetrag und ergibt sich eine Einkommensteuer unter null, werden 80 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge, höchstens aber 550 Euro jährlich rückerstattet. Die Erstattung erfolgt im Wege der Veranlagung und ist mit der Einkommensteuer unter null begrenzt.

Einkünfte, die auf Grund zwischenstaatlicher (Doppelbesteuerungsabkommen) oder völkerrechtlicher (z.B. UNIDO, IAEO) Vereinbarungen steuerfrei sind, werden für Zwecke der Berechnung der Erstattung wie steuerpflichtige Einkünfte behandelt.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen zu allen Fragen rund um Arbeitnehmerveranlagung und Lohnsteuer finden Sie im Steuerbuch.

Letzte Aktualisierung: 24. Februar 2022