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Steuern & Brexit

Doppelbesteuerungsabkommen

Im Verhältnis zum Vereinigten Königreich findet seit 1. Jänner 2020 das am 23. Oktober 2018 in Wien unterzeichnete und am 1. März 2019 in Kraft getretene Doppelbesteuerungsabkommen, BGBl. Nr. 32/2019, in Bezug auf die österreichischen Steuern Anwendung.
Das Abkommen ist im Vereinigten Königreich ab dem 1. April 2019 betreffend Körperschaftsteuer beziehungsweise ab dem 6. April 2019 betreffend Einkommensteuer und Veräußerungsgewinne anwendbar.

Informationen für Unternehmen

Ertragsteuern

Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU erfolgt mit Ablauf des 31. Jänner 2020. Allerdings sieht das Austrittsabkommen eine Übergangsperiode bis (voraussichtlich) zum 31. Dezember 2020 vor, während der das Vereinigte Königreich in jeder Hinsicht weiterhin als Mitgliedsstaat der EU behandelt wird. Ertragsteuerliche Folgen treten folgedessen erst mit Ablauf dieser Übergangsperiode, somit (voraussichtlich) ab 1. Jänner 2021 ein.

Im Bereich der Ertragsteuern ist das Vereinigte Königreich für Zeiträume nach der Übergangsperiode wie ein Drittstaat zu behandeln. Sämtliche begünstigende Bestimmungen, die nur im Verhältnis zu EU/EWR-Staaten in Anspruch genommen werden können, finden daher für Vorgänge, die nach dem Eintritt des Brexit stattfinden, keine Anwendung mehr.   

Für Unternehmen ergeben sich in Bezug auf die Wegzugsbesteuerung sowohl nach den Bestimmungen des EStG 1988 als auch des UmgrStG folgende Änderungen für Zeiträume nach der Übergangsperiode: Im Falle eines Wegzugs kommt es zur sofortigen Besteuerung. Dementsprechend kann im betrieblichen Bereich ein Antrag auf Ratenzahlung nicht mehr gestellt werden. Dies gilt für alle betrieblichen Wegzugsfälle gemäß § 6 Z 6 EStG 1988, die nach Auslaufen der Übergangsperiode erfolgen, sowie für Umgründungen iSd UmgrStG, die nach dem Auslaufen der Übergangsperiode beschlossen oder vertraglich unterfertigt werden. Weiters können österreichische Unternehmen (Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften) bzw. natürliche Personen für Einbringungen von Kapitalanteilen in eine britische Gesellschaft nach Ablauf der Übergangsperiode auch nicht mehr die Möglichkeit der Buchwerteinbringung bzw. der Beantragung einer Nichtfestsetzung (sogenannter „Anteilstausch“ gemäß § 16 Abs. 1a und § 17 Abs. 1a UmgrStG) in Anspruch nehmen.

Für Unternehmen, die allerdings bereits vor Auslaufen der Übergangsperiode weggezogen sind, und die anlässlich des Wegzugs vor 2016 die Nichtfestsetzung bzw. ab 2016 die Ratenzahlung der Steuer beantragt haben, führt das spätere Auslaufen der Übergangsperiode jedoch zu keiner sofortigen Besteuerung bzw. zu keiner sofortigen Fälligstellung offener Raten. Dies gilt auch, wenn die Wegzugsteuer für Umgründungen iSd UmgrStG, die davor beschlossen oder vertraglich unterfertigt werden, nicht festgesetzt worden ist oder in Raten entrichtet werden kann.

Für Unternehmen entfallen mit Auslaufen der Übergangsperiode auch die Vorschriften aus der Mutter-Tochter-Richtlinie, der Zins- und Lizenzgebühren-Richtlinie und der Fusionsrichtlinie im Verhältnis zu dem Vereinigten Königreich: Für österreichische Unternehmen mit verbundenen Unternehmen in dem Vereinigten Königreich bzw. für britische Unternehmen mit verbundenen Unternehmen in Österreich betrifft dies die Inanspruchnahme der Quellensteuerfreiheit für Dividenden gemäß § 94 Z 2 EStG 1988 sowie der Quellensteuerfreiheit für Zinsen und Lizenzgebühren gemäß § 99a EStG 1988. Diesbezüglich sind hinsichtlich Dividenden, Zinsen und Lizenzen vergleichbare Regelungen in dem neuen Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und dem Vereinigten Königreich vorgesehen, welche in Bezug auf die österreichischen Steuern bereits seit 1. Jänner 2020 Anwendung finden.

Umsatzsteuer

Das Austrittsabkommen sieht eine Übergangsfrist bis (voraussichtlich) 31. Dezember 2020 vor, in der für das Vereinigte Königreich sowie im Vereinigten Königreich das EU-Recht weiterhin gilt. In dieser Übergangszeit treten im Bereich der Umsatzsteuer daher keine Änderungen ein.

Nach Artikel 51 des Abkommens über den Austritt des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland aus der Europäischen Union und der Europäischen Atomgemeinschaft (2019/C 384 I/01) findet die Mehrwertsteuerrichtlinie 2006/112/EG insgesamt noch fünf Jahre nach Ende des Übergangszeitraums (bis 31. Dezember 2024) Anwendung auf die Rechte und Pflichten von umsatzsteuerpflichtigen Personen in Bezug auf vor Ende des Übergangszeitraums (31. Dezember 2020) erfolgte grenzüberschreitende Umsätze zwischen dem Vereinigten Königreich und einem Mitgliedstaat.

Anträge auf Vorsteuerrückerstattung nach der Richtlinie 2008/9/EG sind spätestens am 31. März 2021 zu stellen.

Die Übergangsfristen betreffend den Zugang zu den IT-Systemen im Bereich der Mehrwertsteuer (MIAS, MwSt-Erstattung und MOSS) wechselseitig zwischen dem Vereinigten Königreich und den EU-Mitgliedstaaten sind in Anhang IV des zitierten Austrittsabkommens angeführt.

Im Falle eines Brexit kommt es – insbesondere bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen – bei folgenden Themenkreisen zu einer geänderten rechtlichen Beurteilung, die sich grundsätzlich unmittelbar aus dem Umsatzsteuergesetz (UStG 1994) ergeben und Unternehmer betreffen:

Innergemeinschaftliche Lieferung/Ausfuhrlieferung

Nach dem Brexit treten bei Lieferungen in das Vereinigte Königreich (echt steuerfreie) Ausfuhrlieferungen (§ 6 Abs. 1 Z 1 iVm § 7 Abs. 1 UStG 1994) an die Stelle von (echt steuerfreien) innergemeinschaftlichen Lieferungen (Art. 6 Abs. 1 iVm Art. 7 Abs. 1 UStG 1994).
Hinsichtlich des Spezialfalles, dass die Warenbewegung im Rahmen einer Lieferung vor dem Brexit begonnen hat und sich der Gegenstand der Lieferung zum Zeitpunkt des Brexit bereits im Vereinigten Königreich befindet (hinsichtlich des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs bei Lieferungen siehe UStR Rz 3982), kann der Nachweis der Steuerbefreiung – weil ein Ausfuhrnachweis faktisch nicht (mehr) möglich ist – wie beim Nachweis der steuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung erfolgen (siehe Verordnung BGBl. Nr. 401/1996 idgF).

Innergemeinschaftlicher Erwerb/Einfuhr

Nach dem Brexit entfaltet bei Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich grundsätzlich der umsatzsteuerliche Tatbestand der Einfuhr (§ 1 Abs. 1 Z 3 UStG 1994) Rechtswirkungen. Gleiches gilt für die Verlagerung des Lieferortes nach § 3 Abs. 9 UStG 1994 bzw. die Abfuhrverpflichtung (Haftung) gemäß § 27 Abs. 4 UStG 1994. Im B2B-Bereich tritt dieser quasi an die Stelle des innergemeinschaftlichen Erwerbs (Art. 1 UStG 1994). Der Vorsteuerabzug ist hierbei unter den allgemeinen Grundsätzen nach § 12 Abs. 1 Z 2 UStG 1994 möglich.

Hinsichtlich des Spezialfalles, dass die Warenbewegung im Rahmen einer Lieferung vor dem Brexit begonnen hat und sich der Gegenstand der Lieferung zum Zeitpunkt des Brexit bereits in Österreich befindet (hinsichtlich des zeitlichen und sachlichen Zusammenhangs bei Lieferungen siehe UStR Rz 3982), liegt ein innergemeinschaftlicher Erwerb (Art. 1 Abs. 1 UStG 1994) und keine Einfuhr vor, weil es maßgeblich ist, dass sich der Gegenstand der Lieferung bereits in Österreich befindet und nicht (mehr) zum freien Verkehr abgefertigt werden kann.

Im privaten Reiseverkehr sind die Bestimmungen für Drittstaaten anzuwenden.

Zusammenfassende Meldung (ZM)

Nach dem Brexit ist bei grenzüberschreitenden Leistungsbeziehungen mit dem Vereinigten Königreich die Abgabe von ZMs nicht mehr erforderlich.

Dreiecksgeschäfte

Nach dem Brexit ist die Vereinfachungsregelung des Dreiecksgeschäfts nur mehr eingeschränkt möglich.

Versandhandel/Ausfuhrlieferung bzw. Einfuhr

Hinsichtlich des Versandhandels (Art. 3 Abs. 3 ff. UStG 1994) gelten die Aussagen unter Punkt 2 und Punkt 3 sinngemäß.

MOSS/Drittlandsschema bzw. keine Vereinfachung

Nach dem Brexit kann MOSS (Österreich als MSI) für Umsätze in das Vereinigte Königreich nicht mehr angewendet werden. Die im Vereinigten Königreich steuerbaren Umsätze sind nach den im (zukünftigen) Drittland vorgesehenen Regelungen zu behandeln.
Bei Umsätzen gemäß § 3a Abs. 13 UStG 1994 aus dem Vereinigten Königreich nach Österreich ist es zweckmäßig, dass der Austritt wie eine Verlagerung der Betriebsstätte in ein Drittland angesehen wird („Drittlandsschema“ gemäß § 25a UStG 1994 statt „EU-Schema“ Art. 25a UStG 1994).

Katalogleistungen B2C

Leistungen gemäß § 3a Abs. 14 UStG 1994 („Katalogleistungen“) an Nichtunternehmer iSd § 3a Abs. 5 Z 3 UStG 1994, die im Vereinigten Königreich (und nicht in der EU) ansässig sind, sind mit dem Brexit nicht am Unternehmerort (Inland, § 3a Abs. 7 UStG 1994), sondern im Vereinigten Königreich steuerbar. Bei Dauerleistungen hat die Abgrenzung entsprechend UStR Rz 2619 ff. zu erfolgen.

Verlagerung Leistungsort

Nach dem Brexit kann es gemäß § 3a Abs. 15 und 16 UStG 1994 zu Verlagerungen des Leistungsortes kommen.

Innergemeinschaftliche Güterbeförderung und innergemeinschaftliche Bordlieferungen/Restaurantleistungen

Nach dem Brexit sind innergemeinschaftliche Güterbeförderungsleistungen an Nichtunternehmer iSd § 3a Abs. 5 Z 3 UStG 1994 nicht mehr am Abgangsort (Art. 3a Abs. 1 UStG 1994) sondern entsprechend der Beförderungsstrecke (§ 3a Abs. 10 UStG 1994) steuerbar. Auch ist der Abgangsort nicht mehr der Leistungsort bei der Lieferung von Gegenständen an Bord eines Schiffes/Luftfahrzeuges/einer Eisenbahn. Hier ist auf die allgemeinen Lieferortregelungen (§ 3 Abs.7 f. UStG 1994) zurückzugreifen. Bei innergemeinschaftlichen Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen ist statt dem Abgangsort der Leistungsort gemäß § 3a Abs. 11 lit. d UStG 1994 (Tätigkeitsort) maßgeblich.

Rechnungslegung bei im Vereinigten Königreich steuerbaren B2B-Dienstleistungen

Nach dem Brexit richtet sich die Rechnungslegung im Falle von im Vereinigten Königreich steuerbaren B2B-Dienstleistungen nicht mehr nur nach dem UStG 1994 sondern auch nach den (zukünftig) drittländischen Vorschriften.

Fiskalvertreter

Nach dem Brexit kann es für Unternehmer aus dem Vereinigten Königreich erforderlich sein, einen Fiskalvertreter gemäß § 27 Abs. 7 UStG 1994 zu bestellen. Ob das Vereinigte Königreich eine vergleichbare Regelung vorsehen würde, kann nicht beurteilt werden.

§ 48 BAO

Nach dem Brexit kann es vermehrt zu Fällen des § 48 Bundesabgabenordnung (BAO) kommen, weil nicht sicher ist, ob das Vereinigte Königreich vergleichbare Regelungen hinsichtlich der Steuerpflicht von im Inland (bzw. der EU) unecht befreiten Umsätzen vorsieht.

Verbrauchsteuern

Die grenzüberschreitende Beförderung verbrauchsteuerpflichtiger Waren (Tabakwaren, Alkohol, Bier, Schaumwein, Wein und sonstige gegorene Getränke, Zwischenerzeugnisse sowie Mineralöl) innerhalb der EU – unter Steueraussetzung oder bei bereits erfolgter Überführung in den steuerrechtlich freien Verkehr („versteuert“) – unterliegt den in der Richtlinie 2008/118/EG und den dazugehörigen Durchführungsverordnungen festgelegten Bedingungen und Verfahren.

Im Fall der Steueraussetzung müssen die Wirtschaftsbeteiligten registriert und zugelassen sein; die Verfahren werden durch die computergestützten europaweiten IT-Systeme EMCS (Beförderungskontrollsystem) und SEED (Registrierung von Wirtschaftsbeteiligten) unterstützt. Die Beförderung verbrauchsteuerpflichtiger Waren des steuerrechtlich freien Verkehrs hingegen unterliegt einem papiergestützten Verfahren, ohne gesonderte Zulassung der Wirtschaftsbeteiligten. Vorgesehen ist in diesem Fall eine vorherige Anzeige beim Zollamt über Art und Menge der verbrauchsteuerpflichtigen Waren, die empfangen werden sollen, weiters ist eine Sicherheit zu hinterlegen, die die zu erwartende Verbrauchsteuerschuld abdeckt. Ein vereinfachtes Begleitdokument hat die Warenbeförderung zu begleiten.

Der Austritt des Vereinigten Königsreichs hat Auswirkungen auf alle Wirtschafts¬beteiligten, die an grenzüberschreitenden EU-internen Beförderungen nach dem, aus dem oder über das Vereinigte Königsreich beteiligt sind. So sollten sich insbesondere Versender, Empfänger und Bürgen auf einen Austritt des Vereinigten Königsreichs vorbereiten und sich mit den für sie ab dem Ende des Übergangszeitraums (voraussichtlich 31. Dezember 2020) geltenden neuen Verpflichtungen und Verbindlichkeiten ausein¬ander-setzen.

Im Falle des Austritts des Vereinigten Königsreichs aus der EU mit einem Abkommen sind die Übergangs-regelungen dieses Austrittsvertrags anzuwenden und finden die EU-Verbrauch¬steuer¬vorschriften für den Übergangs¬zeitraum weiterhin Anwendung. Insbesondere sieht das Austrittsabkommen vor, dass die Richtlinie 2008/118/EG Anwendung findet auf Beförderungen verbrauchsteuerpflichtiger Waren in einem Verfahren der Steueraussetzung sowie im steuerrechtlich freien Verkehr aus dem Hoheitsgebiet des Vereinigten Königsreichs in das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats oder umgekehrt, sofern die Beförderung vor dem Ablauf des Über¬gangszeitraums beginnt und nach seinem Ablauf endet. Elektronische Beförderungs-verfahren, die vor Ende der Frist mit einem tatsächlichen Abgangszeitpunkt der Waren nach Ende der Übergangsfrist eröffnet werden, sollen nicht zulässig sein. SEED und EMCS bleiben bis zum Ende der Übergangsfrist weiter anwendbar.

Nach Ende dieser Übergangsfrist ist das Vereinigte Königsreich als Drittland zu behandeln und Waren-beförderungen sind dem Zollverfahren zu unterwerfen. Sämtliche Datenbanken werden elektronisch getrennt, lediglich historische Abfragen sollen möglich bleiben. Für Nordirland soll bis auf weiteres eine begrenzte Zahl von EU-Regeln weiterhin gelten, die unerlässlich sind, um eine „harte Grenze“ mit Zollkontrollen zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden. Dazu gehören im Verkehr der EU mit Nordirland unter anderem die EU-Verbrauchsteuerregelungen, z.B. auch das Verfahren der Steueraussetzung (EMCS), sowie der Zollkodex der EU (samt Durchführungsrechtsakten), der in Nordirland weiterhin gelten wird.

Für nähere Informationen und Abstimmung über das Vorgehen im Falle offener Beförderungen kontaktieren Sie bitte Ihr Zollamt.

Informationen für Bürgerinnen und Bürger

Im Austrittsabkommen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich ist eine Übergangsperiode bis 31. Dezember 2020 vorgesehen. Auch wenn der Brexit plangemäß mit dem 31. Jänner 2020 erfolgt, wird das Vereinigte Königreich bis Ende des Jahres 2020 wie ein Mitgliedsstaat der EU behandelt. Daher ergeben sich bis dahin keine Änderungen in der steuerrechtlichen Position der Bürgerinnen und Bürger.

Arbeitnehmer werden auf Grund des Austrittsabkommens nach Ende der Übergangsperiode in steuerlicher Hinsicht auch ab 2021 weiterhin so behandelt wie vor dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU, wenn sie:

•    Unionsbürger (also zB Österreicher) sind, die sich am Ende der Übergangsperiode im Vereinigten Königreich aufgehalten haben und weiter dort wohnen oder
•    Britische Staatsangehörige sind, die sich am Ende der Übergangsperiode in einem EU-Mitgliedsstaat aufgehalten haben und weiter in der EU wohnen.

Für Personen, auf die diese Sonderregelung des Austrittsabkommens nicht anwendbar ist, gilt das Vereinigte Königreich ab 2021 als Drittstaat. Dies hat einen Einfluss auf die folgenden einkommensteuerrechtlichen Regelungen:

Wegzugsbesteuerung

Für Privatpersonen, die nach Auslaufen der Übergangsperiode in das Vereinigte Königreich ziehen, ist der Wertzuwachs von Wirtschaftsgütern, für die das Besteuerungsrecht Österreichs auf Grund des Wegzugs eingeschränkt wird, sofort zu besteuern. Die bisherige Möglichkeit, die Steuer bis zur tatsächlichen Veräußerung des Wirtschaftsgutes bei einem physischen Wegzug aufzuschieben, besteht künftig daher nicht mehr. Ebenso entfällt für sonstige Umstände, die im Verhältnis zum Vereinigten Königreich zu einer Einschränkung des Besteuerungsrechts Österreichs iSd § 27 Abs. 6 EStG 1988 führen, die Möglichkeit einer Entrichtung der Abgabenschuld in Raten.

Für Privatpersonen, die allerdings bereits vor Auslaufen der Übergangsperiode in das Vereinigte Königreich weggezogen sind, und die anlässlich des damaligen Wegzugs die Nichtfestsetzung der Steuer beantragt haben, kommt es jedoch zu keiner sofortigen Besteuerung. Eine Besteuerung des Wertzuwachses findet in diesen Fällen daher in der Regel erst bei der späteren tatsächlichen Veräußerung des betreffenden Wirtschaftsgutes statt. Wurde im Falle sonstiger Umstände eine Ratenzahlung der Steuer beantragt, kommt es auch zu keiner sofortigen Fälligstellung offener Raten (die gegenteilige Aussage in Rz 6157b der EStR 2000 ist nicht zu beachten).  

§ 1 Abs. 4 EStG 1988

Die Option in die unbeschränkte Steuerpflicht steht nur Staatsangehörigen eines EU/EWR-Staates bzw. der Schweiz zu. Britische Staatsbürger, die in Österreich beschränkt steuerpflichtig sind, können diese Option nicht mehr ausüben.

Steuerbefreiungen: § 3 Abs. 1 Z 3 lit a und § 3 Abs. 1 Z 10 lit a 1.Teilstrich EStG 1988

Nicht mehr von der Steuerbefreiung umfasst sind Bezüge und Beihilfen aus öffentlichen Mitteln, die von einer – einer inländischen Körperschaft des öffentlichen Rechts entsprechenden – Körperschaft aus dem Vereinigten Königreich stammen.

Wenn die Entsendung von einer Betriebsstätte eines Arbeitgebers aus erfolgt, die in einem Mitgliedstaat der EU, einem Staat des EWR oder der Schweiz gelegen ist, wird der 2.Teilstrich des § 3 Abs. 1 Z 10 lit a für das Vereinigte Königreich zur Anwendung kommen.

Sonderausgaben: § 18 Abs. 1 Z 3 lit b, und § 18 Abs. 3 Z 5 EStG 1988

Für das Vereinigte Königreich sind Ausgaben zur Wohnraumschaffung von der Abzugsfähigkeit ausgenommen, insbesondere solche Beträge, die zur Errichtung von Eigenheimen oder Eigentumswohnungen verausgabt werden, da diese in einem Mitgliedstaat der EU/des EWR, mit dem eine umfassende Amtshilfe besteht, gelegen sein müssen.

Verpflichtende Beiträge an im Vereinigten Königreich gelegene Kirchen und Religionsgesellschaften, die einer in Österreich gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgesellschaft entsprechen, sind nicht mehr als Sonderausgaben abzugsfähig. Entsprechend dem Zufluss- Abflussprinzip sind im Jahr des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU jene Sonderausgaben abzugsfähig, die vor dem Auslaufen der Übergangsperiode geleistet wurden.

Pensionskassenbeiträge an ausländische Kassen: § 26 Z 7 lit a EStG 1988

Vom Arbeitgeber gezahlte Pensionskassenbeiträge an britische Pensionskassen werden nach dem Auslaufen der Übergangsperiode steuerpflichtig, da sie nicht mehr nach den Kriterien der EU RL 2003/41/EG zu prüfen und zuzulassen sind.

Beschränkt steuerpflichtiger Arbeitnehmer: § 70 Abs. 2 Z 2 EStG 1988

Die Lohnsteuer wird bei Bezügen als Arbeitnehmer aus einer Tätigkeit iSd § 99 Abs. 1 Z 1 mit 20% des vollen Betrages dieser Bezüge berechnet. Die Option des Abzugs von unmittelbar mit den Bezügen zusammenhängenden Werbungskosten für beschränkt steuerpflichtige Arbeitnehmer steht nicht offen, wenn der Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich ansässig ist.

Abzugsteuer: § 99 Abs. 2 EStG 1988

Mit den Einnahmen zusammenhängende Ausgaben dürfen bei einem im Vereinigten Königreich ansässigen beschränkt Steuerpflichtigen nicht mehr berücksichtigt werden, auch wenn dieser diese Ausgaben dem Schuldner der Auskünfte schriftlich mitgeteilt hat.

Veranlagung beschränkt Steuerpflichtiger: § 102 Abs. 1 Z 3 EStG 1988

Zur Einkommensteuer sind zu veranlagen: Einkünfte, von denen eine Lohnsteuer nach § 70 Abs. 2 (…) zu erheben ist, über Antrag des beschränkt Steuerpflichtigen. Werbungskosten dürfen in den Fällen des § 70 Abs. 2 Z 2 nicht abgezogen werden, da die Voraussetzung der Ansässigkeit in einem Mitgliedstaat der EU/des EWR gegenüber der Republik Österreich nicht gegeben ist.

Einrichtung der Zukunftsvorsorge: § 108 h Abs. 1 Z 3 EStG 1988

Eine der zu erfüllenden Voraussetzungen der Einrichtung ist, dass die Veranlagung in Aktien zu erfolgen hat, die an einem geregelten Markt einer in einem Mitgliedstaat der EU oder in einem Staat des EWR gelegenen Börse erstzugelassen sind.  

Familienbonus Plus-Absetzbeträge-EU-Anpassungsverordnung und Absetzbeträge: § 33 EStG 1988

Für Kinder, die sich ständig im Vereinigten Königreich aufhalten, stehen folgende Absetzbeträge nach Auslaufen der Übergangsperiode nicht mehr zu:

•    Kinderabsetzbetrag
•    Familienbonus Plus
•    Unterhaltsabsetzbetrag
•    Alleinverdienerabsetzbetrag
•    Alleinerzieherabsetzbetrag
•    Kindermehrbetrag

Werden diese Absetzbeträge bereits im Zuge der laufenden Lohnverrechnung durch den Arbeitgeber berücksichtigt, muss deren Wegfall rechtzeitig mittels Formular E31 dem Arbeitgeber bekannt gegeben werden, um spätere Nachforderungen durch das Finanzamt zu vermeiden.

In allen Fällen, in denen Absetzbeträge zu Unrecht bezogen wurden, kommt es zu einer Richtigstellung im Zuge einer Pflichtveranlagung.