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Sustainable Finance

Angesichts der Auswirkungen des Klimawandels und der zunehmenden Ressourcenknappheit, mit denen unser Planet konfrontiert ist, ist es dringend erforderlich, einen Weg hin zu einer nachhaltigen, klimaneutralen Wirtschaft einzuschlagen. Mit der Annahme der Agenda 2030 durch alle 193 Mitglieder der Vereinten Nationen und der Unterzeichnung des Übereinkommens von Paris, dem weltweiten Klimaschutzübereinkommen, hat sich Österreich zum Ziel einer nachhaltigeren Wirtschaft und Gesellschaft bekannt. Zentrale Zielsetzung der österreichischen Klimaschutzpolitik sind die Vermeidung und Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Mit der österreichischen Klima- und Energiestrategie #mission2030 soll der Klimaschutz konsequent vorangetrieben und gleichzeitig eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet werden.
Vor allem das Übereinkommen von Paris setzt dabei einen zentralen Fokus auf den Finanzsektor. Um Finanzflüsse klimaverträglich auszurichten, bedarf es verstärkter Anstrengungen aller Finanzmarktteilnehmer. 

Daher wurde Anfang 2019 unter gemeinsamer Leitung des Bundesministeriums für Finanzen und des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus eine Fokusgruppe Green Finance mit Schlüsselakteuren des österreichischen Finanzsektors ins Leben gerufen, die sich der Frage widmet, welchen Beitrag der österreichische Finanzmarkt zur Erreichung der Klima- und Energieziele leisten kann und wie eine österreichische Green Finance Agenda entwickelt werden kann. 

EU-Aktionsplan Financing Sustainable Growth

Für die Umsetzung der Ziele des Übereinkommens von Paris und der EU-Agenda für nachhaltige Entwicklung werden laut Europäischer Kommission (EK) jährlich etwa 180 Mrd. Euro zusätzliche Investitionen benötigt. Da der Finanzsektor hierbei eine Schlüsselrolle einnimmt, hat die EK im März 2018 einen Aktionsplan zum Thema nachhaltige Finanzierung mit dem Titel: „Financing Sustainable Growth“ veröffentlicht und damit eine umfassende Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen auf den Weg gebracht.

Der Aktionsplan verfolgt drei Ziele:

  1. Neuorientierung der Kapitalflüsse in Richtung nachhaltige Investitionen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu erreichen: 
    Mit der Entwicklung eines EU Klassifikationssystems (Taxonomie) wird erstmals einheitlich definiert, was unter einer „nachhaltigen Investition“ zu verstehen ist. Darauf aufbauend soll ein EU-Ecolabel für „grüne“ Finanzdienstleistungen und ein EU-Green Bond Standard normiert werden, um Anlegern den Zugang zu nachhaltigen Produkten zu erleichtern.
  2. Bewältigung der finanziellen Risiken, die sich aus Klimawandel, Naturkatastrophen, Umweltzerstörung und sozialen Problemen ergeben:
    Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeit im Risikomanagement der Finanzmarktakteure wird als entscheidend erachtet. Pflichten für institutionelle Investoren und Vermögensverwalter sollen daher das Kriterium der Nachhaltigkeit in Investitionsabläufen und bei der Transparenz gegenüber Endinvestoren berücksichtigen. Zusätzlich soll das Thema Nachhaltigkeit in die Mandate der Aufsichtsbehörden aufgenommen werden.
  3. Förderung der Transparenz und Langfristigkeit in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit:
    Die Transparenz von Unternehmen ist eine Grundvoraussetzung, damit Finanzmarktteilnehmer die langfristige Wertschöpfung von Unternehmen und Nachhaltigkeitsrisiken angemessen bewerten können. Verstärkte Berichtspflichten der Emittenten sollen daher sicherstellen, dass Investoren bei Investitionsentscheidungen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen können.

In die Umsetzung des Aktionsplans sind auch die Europäischen Aufsichtsbehörden eingebunden, um zu einer harmonisierten Anwendung von EU-Regelungen zu Nachhaltigkeit beizutragen. Außerdem soll durch eine Plattform für Nachhaltige Finanzierungen der Austausch zwischen Experten, privaten Akteuren und öffentlichen Stellen ermöglicht werden. Die Plattform soll zukünftig als Beratungsstelle der EK fungieren.

Außerdem wird das Thema Nachhaltigkeit auch auf internationaler Ebene vorangetrieben. Als Forum für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch wird eine Internationale Plattform der EK mit ausgewählten Drittstaaten ins Leben gerufen.

EU LegistikpaketGreen Finance

In Umsetzung des Aktionsplans hat die EK im Mai 2018 ein Legistikpaket „Green Finance“ verabschiedet. Dieses besteht einerseits aus den drei im Folgenden beschriebenen Verordnungen und passt andererseits zwei delegierte Rechtsakte zu Versicherungsvermittlern und Wertpapierfirmen an, um bessere Kundenberatung zu Nachhaltigkeitsaspekten sicherzustellen.

  1. EU-Verordnung zur Festlegung eines Rahmens um nachhaltige Finanzierung zu fördern (Einheitliches EU-Klassifikationssystem bzw. „Taxonomie“)
    Diese legt sechs Umweltziele (Klimaschutz, Klimawandelanpassung, Wasser, Kreislaufwirtschaft, Umweltverschmutzung, Ökosysteme) fest, an denen sich orientiert, ob eine Wirtschaftstätigkeit nachhaltig ist und zwar ausschließlich zum Zweck der Bestimmung des Grades der Nachhaltigkeit einer Investition. Neben einem substanziellen Beitrag zu einem dieser Umweltziele darf gleichzeitig kein anderes Umweltziel verletzt werden („do no significant harm“-Prinzip) und müssen soziale Mindeststandards eingehalten werden. Diese Verordnung wird derzeit zwischen Europäischen Rat und Europäischen Parlament verhandelt.
    Gleichzeitig hat die Technische Expertengruppe kürzlich einen Bericht veröffentlicht, der sektorspezifische Kriterien zu den Umweltzielen Klimaschutz und Klimawandelanpassung vorschlägt. Im weiteren Verlauf werden sektorspezifische Kriterien zu den anderen vier Umweltzielen erarbeitet.
  2. EU-Verordnung für Offenlegungspflichten von nachhaltigen Investitionen und Nachhaltigkeitsrisiken für institutionelle Investoren
    Diese legt Transparenzanforderungen für Finanzteilnehmer und Vermögensberater im Hinblick auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken sowie negative Auswirkungen von Investitionsentscheidungen, bzw. Beratungsprozessen auf Nachhaltigkeitsfaktoren fest. Zusätzlich werden spezifische Offenlegungspflichten für nachhaltige Investitionen definiert. Damit soll es Investoren erleichtert werden, Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Investitionsentscheidungen einzubeziehen. 
    Eine politische Einigung wurde bereits erzielt, die Veröffentlichung im Amtsblatt der EU wird noch im heurigen Jahr erwartet. Sämtliche Offenlegungspflichten werden noch im Wege delegierter Verordnungen präzisiert und sollen 12 Monate nach Inkrafttreten der VO zur Anwendung kommen.
  3. EU-Verordnung für nachhaltige Referenzwerte (Benchmarks)
    Es werden zwei neue Kategorien nachhaltiger Referenzwerte definiert: 
    * „auf den klimabedingten Wandel bezogene EU-Referenzwerte“ und 
    * „auf das Übereinkommen von Paris abgestimmten EU-Referenzwerte“. 
    Um den Beitrag des jeweiligen Referenzwerts zur Verwirklichung der Umweltziele bewerten zu können, werden auch nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungen vorgeschrieben. Außerdem dürfen durch solche Referenzwerte andere Ziele in den Bereichen ESG (Environmental, Social, Governance) nicht erheblich beeinträchtigt werden. 
    Diese neuen Referenzwert-Kategorien sollen Investoren als Orientierung dienen, „green washing“ vermeiden und Investitionen in nachhaltige Projekte und Vermögenswerte forcieren. Auf Basis der Arbeiten der Technischen Expertengruppe wird die EK in einem delegierten Rechtsakt festlegen, wie die Auswahl der Unternehmen für die Referenzwerte zu erfolgen hat. Benchmark-Administratoren können diese (freiwilligen) Referenzwerte ab April 2020 anbieten.

Die Technische Experten Gruppe on sustainable finance (TEG)

Um die EK bei der Umsetzung des Aktionsplans zu unterstützen und die notwendigen technischen Grundlagen für delegierte Rechtsakte zur Spezifizierung von Verordnungen auszuarbeiten, wurde eine TEG, bestehend aus Vertretern der Finanz- und Realwirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und öffentlicher Institutionen, eingerichtet. Die Untergruppen der TEG beschäftigen sich mit folgenden Aufgabenbereichen:

  1. Erarbeitung technischer Evaluierungskriterien für die Umweltziele der Taxonomie-VO.
  2. Entwicklung eines EUgreen bond“ Standards, insb. Klärung des Zwecks bzw. der Auswirkungen von „green bonds“ sowie der Offenlegungspflichten.
  3. Erarbeitung der Methodologie zur Festlegung der neuen nachhaltigen Referenzwerte.
  4. Erarbeitung klimarelevanter Messgrößen zur Verbesserung der Offenlegung.

Das Mandat der TEG läuft noch bis Ende 2019. Danach wird die TEG in die Plattform für Nachhaltige Finanzierungen, die zukünftig als Beratungsstelle der EK fungiert, übergeleitet.

Stand: 27.09.2019

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Finanzen