Veranlagungsverfahren

Ausländische Unternehmerinnen/Unternehmer, die in Österreich Umsätze tätigen, bei denen es nicht zum Übergang der Steuerschuld kommt, sind verpflichtet, sich beim Finanzamt Graz-Stadt registrieren zu lassen.

Veranlagungsverpflichtung

Unternehmerinnen/Unternehmer, die in Österreich im Zeitpunkt der Leistung weder Wohnsitz (Sitz), einen gewöhnlichen Aufenthalt noch eine an der Leistungserbringung beteiligte Betriebsstätte haben (in der Folge ausländische Unternehmerinnen/Unternehmer genannt), und die in Österreich Umsätze tätigen, bei denen es nicht zum Übergang der Steuerschuld kommt (d.s. insbesondere Inlandslieferungen, sonstige Leistungen an Privatpersonen), sind verpflichtet, sich beim Finanzamt Graz-Stadt registrieren zu lassen und Umsatzsteuervoranmeldungen sowie Umsatzsteuerjahreserklärungen abzugeben. 

Ausnahmen von der Registrierungspflicht/Veranlagung auf Antrag

Hat eine ausländische Unternehmerin/ein ausländischer Unternehmer keine Umsätze im Inland (Österreich) ausgeführt oder nur Umsätze ausgeführt, bei denen die Steuerschuld auf die Leistungsempfängerin/den Leistungsempfänger übergeht, so hat sie/er keine Umsatzsteuererklärung abzugeben bzw. kommt es zu keiner Veranlagung, wenn

  • sie/er selbst als Leistungsempfängerin/Leistungsempfänger eine Steuer schuldet (Reverse-Charge-System nach § 19 Abs. 1 UStG 1994 bzw. bei Bauleistungen nach § 19 Abs. 1a UStG 1994) und
    hinsichtlich der auf sie/ihn übergegangenen Umsatzsteuer zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt ist und
  • sie/er eine Steuer nicht auf Grund einer Inrechnungstellung gemäß § 11 Abs. 12 und 14 UStG 1994 schuldet.

Sollen neben Vorsteuern für die übergegangene Steuerschuld noch weitere, zusätzliche Vorsteuern geltend gemacht werden, so hat dies im Rahmen eines Veranlagungsverfahren zu geschehen.

Es besteht jedoch für eine ausländische Unternehmerin/einen ausländischen Unternehmer die Möglichkeit, ausdrücklich eine Veranlagung zu beantragen. Eine Veranlagung auf Antrag ist nicht möglich, wenn die Voraussetzungen für das Vorsteuererstattungsverfahren vorliegen.

Erteilung einer Steuernummer – Umsatzsteueridentifikationsnummer (UID-Nummer)

Kommt es zu einer Veranlagung, ist vor der ersten Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung eine Steuernummer beim Finanzamt Graz-Stadt zu beantragen.

Für die Vergabe einer Steuer- und einer UID-Nummer benötigt das Finanzamt Graz-Stadt folgende vollständig ausgefüllte Formulare:

  • Fragebogen anlässlich der Erteilung einer Steuernummer/Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (Verf 19);Wichtig: in weiterer Folge ist diese Steuernummer auf allen an das Finanzamt gerichteten Schreiben anzugeben; diese Angabe erleichtert die Identifizierung der Antragstellerin/des Antragstellers und kann so das Verfahren beschleunigen
  • Unterschriftsprobenblatt bei Kapitalgesellschaften (Verf 26) im Original
  • Kopie des Handelsregisterauszuges und/oder des Gesellschaftsvertrages bei Kapitalgesellschaften
  • Nachweis über die Erfassung als Unternehmerin/Unternehmer (U 70) im Original

Umsatzsteuervoranmeldung

Ausländische Unternehmerinnen/Unternehmer, die in Österreich veranlagt werden, haben grundsätzlich während des Kalenderjahres Umsatzsteuervoranmeldungen (UVA) abzugeben.  

  1. Die Übermittlung der Umsatzsteuervoranmeldungen an das Finanzamt Graz-Stadt hat elektronisch zu erfolgen. Ist der Unternehmerin/dem Unternehmer die elektronische Übermittlung der Voranmeldung mangels technischer Voraussetzungen unzumutbar, hat die Übermittlung der Voranmeldung auf dem amtlichen Vordruck (U 30) zu erfolgen.
  2. Die Verpflichtung zur Abgabe einer Umsatzsteuervoranmeldung entfällt,
    • wenn im Falle einer Zahllast (d.h. die abzuführende Umsatzsteuer übersteigt die abzugsfähigen Vorsteuern) der Steuerbetrag rechtzeitig und zur Gänze zu Ihrer Steuernummer auf das Konto des Finanzamtes Graz-Stadt entrichtet wird, oder
    • wenn sich für einen Voranmeldungszeitraum keine Vorauszahlung ergibt
    • und die Umsätze im vorangegangenen Kalenderjahr 30.000 Euro nicht überstiegen haben.

Beträgt der Vorjahresumsatz mehr als 100.000 Euro, besteht die Verpflichtung, monatlich Umsatzsteuervoranmeldungen einzureichen.

Für Kalendermonate, in denen Umsätze getätigt worden sind bzw. für die Vorsteuern beansprucht werden, ist spätestens am 15. Tag des zweitfolgenden Kalendermonates (für Januarumsätze also am 15. März) eine Voranmeldung abzugeben bzw. die interne Voranmeldung auszufüllen.

Unternehmerinnen/Unternehmer, deren Umsätze im vorangegangenen Kalenderjahr 30.000 Euro überstiegen haben, können die Voranmeldung jeweils am 15. Mai, 15. August, 15. November und 15. Februar für das vorangegangene Kalendervierteljahr (Januar bis März, April bis Juni usw.) einreichen.

Nach Ablauf des Kalenderjahres ist eine Umsatzsteuererklärung mittels Formular (U1) bis spätestens 30. April des Folgejahres abzugeben. Bei elektronisch eingereichten Umsatzsteuererklärungen ist der 30. Juni des Folgejahres der Abgabetermin.

Maßgeblich, ob es sich um eine ausländische Unternehmerin/einen ausländischen Unternehmer handelt, ist der Zeitpunkt, in dem die Leistung ausgeführt wird. Unternehmerinnen/Unternehmer, die ein im Inland gelegenes Grundstück besitzen und steuerpflichtig vermieten, sind insoweit als inländische Unternehmerinnen/Unternehmer zu behandeln. Sie haben diese Umsätze im Veranlagungsverfahren zu erklären. Die Leistungsempfängerin/Der Leistungsempfänger schuldet nicht die Steuer für diese Umsätze. Zuständig ist in diesen Fällen das Finanzamt, in dessen Amtsbereich sich das Grundstück befindet.

Stand: 01.01.2017

Abgenommen durch:
  • Bundesministerium für Finanzen