Finanzamt Österreich stellt knapp eine Million Euro nach illegalem Goldhandel und Bilanzfälschung sicher
Bei einer gezielten Aktion des Finanzamts Österreich (FAÖ) Mitte April konnten rund 960.000 Euro sichergestellt werden. Auslöser des Zugriffs waren die Aufdeckung massiver Bilanzfälschungen sowie behördliche Erkenntnisse über ein illegales Geldtransfer-Netzwerk und einen undokumentierten Goldhandel. Dabei versuchten die Täter vergeblich, ihre illegalen Vermögenswerte in den Räumlichkeiten eines angrenzenden Elektrohandels vor den Augen der Einsatzkräfte zu verstecken. Der komplexe Fall umfasst nun weitreichende Ermittlungen wegen schweren Betrugs, Geldwäsche und möglicher Terrorfinanzierung.
Den Stein ins Rollen brachte eine abgabenbehördliche Prüfung, bei der die Prüferinnen und Prüfer des FAÖ auf eine massiv manipulierte Buchhaltung stießen. Die vorgelegten Aufzeichnungen wiesen gravierende Widersprüche auf. So kam es am Papier zu unplausiblen, negativen Lagerbeständen, da die verbuchten Wareneinkäufe und Verkäufe schlichtweg nicht zusammenpassten. Zudem wurden im Unternehmen vorhandene Vermögenswerte systematisch falsch bewertet. Um in der Bilanz am Ende dennoch einen positiven Kassenbestand vorzutäuschen, griffen die Verantwortlichen gezielt auf fiktive Stornobuchungen zurück.
Aufgrund der offenkundigen Bilanzfälschung nahmen die Prüferinnen und Prüfer eine rechtskonforme Schätzung der tatsächlichen Erlöse vor. Darüber hinaus wurden zahlreiche Privatausgaben, die illegalerweise von der Steuer abgesetzt werden sollten, konsequent gestrichen. Der resultierende Steuerschaden belief sich auf 960.000 Euro.
Im Zuge der weiteren behördlichen Erhebungen offenbarte sich jedoch eine noch weitaus größere kriminelle Dimension. Die Ermittlungen brachten ans Licht, dass das überprüfte Geschäftsumfeld als Fassade für weitreichende illegale Finanzgeschäfte diente. So betrieben die Beschuldigten einen völlig undokumentierten Goldhandel an der Steuerbehörde vorbei und nutzten das informelle Hawala-System für unkontrollierte Geldtransfers. Dies begründete den dringenden Verdacht auf Geldwäsche, gewerbsmäßige Steuerhinterziehung und eine mögliche Terrorfinanzierung. Gleichzeitig deckten die Einsatzkräfte eine Verschleierungstaktik der Beschuldigten auf: Um sich den Kontrollen zu entziehen, wurde das illegale Gold und Bargeld systematisch aus dem primär betroffenen Juweliergeschäft geschafft und im direkt dazugehörigen Lokal eines Elektrohändlers versteckt.
Bei dem koordinierten Zugriff Mitte April durchkreuzten die Ermittlerinnen und Ermittler das Vorgehen der Täter und konnten rund 960.000 Euro Abgabenschuld noch vor Ort erfolgreich sichern.
„Die akribische Arbeit im Finanzamt Österreich hat dazu geführt, dass hier ein Betrugsnetzwerk aufgedeckt werden konnte. Neben dem Abgabenbetrug kommt es darüber hinaus zu weitreichende Ermittlungen wegen schweren Betrugs, Geldwäsche und möglicher Terrorfinanzierung. Betrugsbekämpfung ist eine Frage der Gerechtigkeit, daher gilt: Null Toleranz für Steuer- und Abgabenbetrug“, sagt Finanzminister Markus Marterbauer.